Karma Chamäleon: Die Editors sind wieder da!
Zuletzt war „EBM“ bei ihnen Programm, nun kehren die Editors mit ihrem bisher wärmsten und eingängigsten Gitarrenalbum zurück. Und daran sind die Tiere im Haus von Sänger Tom Smith nicht ganz unbeteiligt.

Tom, was macht das Leben?
Tom Smith: Danke, das Leben läuft gut. Eben war ich mit unserem Hund spazieren. Ich habe dafür gesorgt, dass meine Kinder satt und seelisch zufrieden sind. Und nachher werde ich mit meiner Frau kurz darüber sprechen, was es heute Abend zu essen gibt.
Bist du der Chefkoch der Familie?
Smith: Nein, das ist eindeutig sie. Ich bin dafür zuständig, die Zutaten ranzuschaffen.
Eure Jungs sind 15 und 18. Was haben die so im Sinn?
Smith: Der Jüngere ist heute Morgen brav zur Schule gegangen, er interessiert sich sehr für Musik und lernt das eine oder andere Instrument. Der Ältere macht gerade ein Jahr Pause, übt Autofahren und will in Glasgow Zoologie studieren, er ist fasziniert von Tieren.
Gibt es ungewöhnliche Haustiere bei euch?
Smith: Wir hatten für ein paar Jahre tatsächlich mal ein Chamäleon, ein Pantherchamäleon. Leider ist es nicht mehr unter uns. Jetzt haben wir nur noch den Hund. Mein Sohn hätte unheimlich gern eine Schlange, Reptilien sind sein Ding. Aber ich glaube nicht, dass es eine Schlange bei uns durch die Haustür schaffen wird. (lacht)
Chamäleon ist kein schlechtes Stichwort. Auch die Editors verändern sich stetig. Euer letztes Album „EBM“ war sehr laut und tanzbar. „Surface, Echo & Sound“ ist nun eine Rückkehr zum warmen, liebevollen Gitarrenrock.
Smith: Wenn du musikalische Chamäleons in uns siehst, dann freut mich das sehr. Was uns als Band über die Jahre am Leben erhalten hat, ist die Bereitschaft, Dinge zu verändern und unterschiedliche Platten zu machen. Ich behaupte nicht, dass wir das Rad neu erfunden hätten. Aber wir finden immer wieder andere Welten, in denen wir uns musikalisch bewegen.
„Shadow“ ist ein zärtlicher Song, der an „Everybody hurts“ von eurer Lieblingsband R.E.M. erinnert. Geht es da um Trauer oder um Trost?
Smith: Um beides. „Shadow“ habe ich geschrieben, nachdem der Vater eines Freundes gestorben war. Es ist ein trauriger Song, aber zugleich thematisiert er eine Verbindung, die über den Tod hinaus fortbesteht.
Um wen geht es im nicht minder wehmütigen Song „The Hills we died upon“?
Smith: Um zwei Menschen, die Bilanz ziehen und auf eine lange gemeinsame Zeit zurückblicken, auf Fehler und auf das zusammen erlebte Glück. Vielleicht klingt das Lied ein wenig überdramatisch, aber dieser ganz konkrete Ort auf einem Hügel hier bei uns in Northamptonshire, wo wir leben, ist für mich ein Stück Jugend. Hier waren wir oft, um Bier zu trinken, zu knutschen und die Sonne aufgehen zu sehen. Heute gehe ich da gern mit dem Hund hin. Er liebt es, da oben zu pinkeln. (lacht)
Auf dem Album gibt es auch richtig große Rocksongs, insbesondere „Rescue“ erinnert an Bruce Springsteen. Wie sehr hat er euch beeinflusst?
Smith: Wir haben eine starke Affinität zu amerikanischem Classic- und Alternative-Rock. Die Bands, die wir lieben, sind meistens amerikanisch. Und wir lieben Bruce Springsteen. Wir sind letzten Sommer als Bandausflug zum Boss ins Anfield Stadium nach Liverpool gefahren. Das war überwältigend, unglaublich. Mein Vater hat seine Platten gespielt, seine Musik begleitet mein Leben lang. Und Verbindung zu ihm ist mit dem Älterwerden tiefer geworden.
Musik


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