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„Können Sie mich sehen?“ von Martin Suter

Buchcover „Können Sie mich sehen?“ von Martin Suter

Viele Jahre hat Martin Suter die Business Class verschont. Jetzt endlich sind seine Topmanager mit „Können Sie mich sehen?“ zurück und machen sich im Homeoffice zum Trottel.

Woher Martin Suter noch immer sein Material holt, wenn er Satiren auf das oberste Management börsennotierter Unternehmen schreibt, weiß man nicht: Zu lange ist er als Kreativer in der Werbebranche selbst aus dem Dunstkreis dieses Milieus raus. Und doch treibt der frühere Creative Director – Kolumnist wurde er erst viel später, und seinen ersten Roman hat Suter gar erst mit 49 Jahren veröffentlicht – sein Managementpersonal weiterhin zur Höchstleistung an: Hier wird mit Anglizismen um sich geworfen und mit Euphemismen eine kreative Unternehmensentwicklung herbeigelogen, dass es eine Freude ist. Zwar spielen die Texte aus Suters neuem Band „Können Sie mich sehen?“ zu einem großen Teil im lockdownbedingten Home Office seiner Lieblinge aus der Business Class. Doch die besseren, schärferen Texte über Schweizer Manager sind eben genau die, in denen Masken, Distanz und Aerosole nicht vorkommen.

Frauen, obwohl im Klappentext als Frontalangriff angekündigt, sind noch immer selten eine Bedrohung der männlichen Vorherrschaft im Topmanagement und bestenfalls die böse Schlusspointe einer männlichen Niederlage im Karrierekampf. Umso schöner sind stattdessen die Spiegelfechtereien in kapitalistisch durchgetakteten Unternehmen, wenn Innovationen anstehen: Da soll die Feedbackkultur in der Quambak revolutioniert werden, und die Puntmayer Consulting kriegt den Auftrag. Also macht sie die Ansage, dass man in der Firma jetzt nicht mehr miteinander spricht, sondern sich gegenseitig ein Feedback gibt. Aber diese neue Feedbackkultur darf um Himmels Willen nicht wie in der Vergangenheit in Form einer Bedrohung daherkommen, sondern: Wertschätzung ist das neue Schlüsselwort. Wertschätzung aber bitte nicht verwechseln mit Gehaltserhöhung, denn die sind Overheadkosten, die ja gerade mit Hilfe der neuen Kultur der Wertschätzung reduziert werden sollen. Suter wird umso stärker, je mehr er Strukturen zur Sprache bringt. Pleiten, Pech und Pannen der Topmanager schüttelt er einfach so aus dem Ärmel.

Mit „Können Sie mich sehen?“ hat es Martin Suter auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft.

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