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Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller

Mit klarer, kompromissloser Sprache vermag Mareike Fallwickl es in ihrem zweiten Roman mühelos, einen weiten Themenkomplex dicht und packend zu bündeln.

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Maximilian Wenger ist ein Auslaufmodell, ein sogenannter Mann der alten Schule, ein Frauen- und Maulheld. Doch nach Jahrzehnten im Rampenlicht und zahlreichen Skandalen, die die Öffentlichkeit und seine Frau Patrizia ihm wohlwollend nachgesehen haben, scheint die Zeit des Schriftstellers vorbei zu sein: Patrizia verlässt ihn für einen Jüngeren, im Leben ihrer gemeinsamen Kinder kommt er eh schon seit Jahren nicht mehr vor, seine Bücher floppen, und er vergräbt sich in Selbstmitleid. Wengers 18-jährige Tochter Zoey steht indes vor dem Erwachsenwerden, vor den Erwartungen ihrer Eltern und ihren eigenen Wünschen. Sie plant ihre Zukunft und hat Hoffnungen für ihr Leben, doch eine Reihe schmerzhafter Erlebnisse führen ihr deutlich vor Augen, was es bedeutet, als Frau erwachsen zu werden. Auf einmal erhält Wenger Briefe von einer fremden Frau, voller Wut und Poesie, die ihn inspirieren. So wie es einst die Geschichten der Prostituierten in dem Bordell getan haben, in dem er gearbeitet hat und deren Stimmen ihm seinen Durchbruch geschenkt haben. Er weiß nicht, dass Zoey die selben Briefe liest, den selben Schmerz und die selbe Wut spürt. Die Worte der Fremden treiben beide zu radikalen Entscheidungen – die doch gänzlich unterschiedlich ausfallen. Mit klarer, kompromissloser Sprache vermag Mareike Fallwickl es in ihrem zweiten Roman mühelos, einen weiten Themenkomplex dicht und packend zu bündeln. Scharfsinnig durchdringt sie hochaktuelle Themen wie sexuelle Gewalt, die Wirkkraft sozialer Medien, Männlichkeitsbilder, Privilegien und Machtgefälle, und verwebt diese mit großer Empathie nahtlos mit dem reichen Innenleben ihrer Figuren. Es ist diesem tiefen Einblick geschuldet, dass die jähen Wendungen ihres dramaturgisch meisterhaft aufbereiteten Narrativs ebenso politisch wie persönlich berührend sind – und dass der Unterschied zwischen privilegiertem, selbstgerechtem Unbehagen und gerechter Wut erfahrbar wird, als ob man selbst vor einem Abgrund stünde. jl

Mareike Fallwickl Das Licht ist hier viel heller

Frankfurter Verlagsanstalt, 2019, 384 S., 24 Euro

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