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Den Tod im Nacken: Mohlin & Nyström „Der andere Sohn“

In „Der andere Sohn“ versetzen Mohlin & Nyström einen traumatisierten FBI-Agenten in die schwedische Provinz. Doch ist er dort vor seinen alten Feinden sicher?

Ein pulsierender Schmerz im Hinterkopf, Schwindelgefühl und Lähmungserscheinungen in den Beinen: FBI-Agent John Adderley bekommt in Stresssituationen Panikattacken, die ihn buchstäblich in die Knie zwingen. Es sind Nachwirkungen einer fast vollstreckten Hinrichtung, bei der Adderley die Pistole schon im Nacken gespürt hat. Berufsrisiko für einen verdeckten Ermittler, der sich in ein Kartell einschleust und als Spitzel auffliegt. Da Drogenboss Ganiru ein schlechter Verlierer ist und die Exekution nachholen will, muss Adderley aus Baltimore verschwinden.

Mohlin & Nyström zeichnen ihren Helden von Beginn an als einen Getriebenen

In ihrem ersten gemeinsamen Thriller zeichnen Mohlin & Nyström ihren Helden von Beginn an als einem Getriebenen, der untertauchen muss und zudem mit einem körperlichen Handicap zu kämpfen hat. Journalist Mohlin und Drehbuchautor Nyström führen den Amerikaner außerdem in eine ungewohnte Umgebung und wählen als Schauplatz ihren Heimatort. Vom FBI bekommt Adderley nämlich wie gewünscht eine neue Identität im südschwedischen Karlstad, wo auch er einst aufgewachsen ist. John wird zu Fredrik, einem amerikanischen Cop mit schwedischen Wurzeln, der dort die neue Cold-Case-Einheit unterstützt. Großstadt-Agent John muss sich erstmal in den värmländischen Dialekt reinhören, den legeren Pullover-Dress seiner neuen Kollegen adaptieren und sich mit dem ungewohnten Küchendienst arrangieren, der für die Polizisten zum Teambuilding gehört. Und wie in jedem Schwedenkrimi versöhnen auch hier Plunderteilchen, wenn es mal Zoff gegeben hat.

Adderley hat die vermeintlich ruhige Stelle in der schwedischen Provinz aber nicht ohne Grund gewählt: Auf seinen hier lebenden Halbbruder Billy lastet auch nach zehn Jahren noch der Verdacht, die minderjährige Emelie getötet zu haben. Die Tochter eines Modeunternehmer-Paares war damals unter rätselhaften Umständen verschwunden, und ihre Leiche wurde nie gefunden. John hinterfragt die bisherigen Schlussfolgerungen: Zusammen mit seinem Team rollt er den Fall neu auf, um Billys Schuld oder Nichtschuld zu klären. Mohlin und Nyström setzen Adderley dabei immer größerem Druck aus, denn die Ermittlungen drohen bald zu scheitern.

Durch Zufall wird Adderleys wahre Identität aufgedeckt, Indizien sind nicht auffindbar, und ein Polizei-Kollege macht sich mehr als verdächtig. Und immer wieder entgleitet Adderley durch seine Panikattacken die Kontrolle über seinen Körper. Er weiss nicht, auf wen er noch zählen kann. Als ihm wegen einer unachtsamen Kontaktaufnahme zu einem Freund auch noch Ganirus Killer auf die Spur kommen, muss Adderley einen klaren Kopf behalten, um nicht bald wieder eine Pistole am Genick zu spüren …

Mit einem geschickten Cliffhanger bereiten Mohlin & Nyström die Fortsetzung vor

Mohlin & Nyström ziehen ihre Leser*innen mit einem Geflecht aus heimlichen Affären, Intrigen, Lügen und verdrängter Schuld gekonnt in den Bann ihres Plots, der den Helden immer weiter an seine Grenzen führt. Und durch einen geschickten Cliffhanger fiebert man auch darauf, wie es mit Johns riskanter Flucht vor den Kartellkillern weiter gehen wird.

Mit „Der andere Sohn“ haben es Mohlin & Nyström auf unsere Liste der besten Krimis im März 2021 geschafft.

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