KUNST

Museum für Moderne Kunst: Lungiswa Gqunta mit neuer Ausstellung

Lungiswa Gqunta stellt im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt aus
Ein Bild aus der Ausstellung „Tending to the Harvest of Dreams“ von Lungiswa Gqunta im Museum für Moderne Kunst in FrankfurtFoto: Lungiswa Gqunta, Nompumelelo; Kholiswa, 2021 (Detail), Foto: Axel Schneider

In der Ausstellung Tending to the Harvest of Dreams stellt die südafrikanische Künstlerin Lungiswa Gqunta im Museum für Moderne Kunst 30 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid die Frage nach dem Fortwirken des Kolonialismus. Wie kann man an den eigenen Umgang mit Natur, an jahrhundertealte Traditionen und Wissen, das in einem liegt, aber nur in Träumen zu einem spricht, anknüpfen? Wie lässt sich die eigene Identität, die Schritt für Schritt auch durch Landnahme entzogen worden ist, finden und weiterführen?

Lungiswa Gqunta: Stacheldraht als Synonym für Unterdrückung

Zwei Drittel des Landes sind immer noch im Besitz der weißen Bevölkerung Südafrikas. Neunzig Prozent des Reichtums verteilen sich auf zehn Prozent der Bevölkerung.  In einem Land, das so reich an Bodenschätzen ist, ist die Landfrage zentral und sind die Forderungen nach Restitution allgegenwärtig. Dabei wählt die Künstlerin Lungiswa Gqunta Stacheldraht als das Symbol für die Eingrenzung und Ausgrenzung, die die schwarze Bevölkerung des Landes erfuhr und weiter erfährt: vom Zweiten Burenkrieg 1899 bis 1902 durch die Briten über die Verwendung zur Segregation unter dem Apartheidregime bis zu den kolonialen Parks und Gärten, die landesweit immer noch von Stacheldraht begrenzt werden. Diese Parks und Gärten werden auch heute noch zumeist von schwarzen Südafrikanerinnen und Südafrikanern gepflegt, die während der Apartheid keinen Zugang zu den Grünflächen hatten, denen sie sich mit Hingabe widmeten.

Museum für Moderne Kunst: Das Erbe der Apartheid

Lungiswa Gqunt verbindet mit ihrer Ausstellung auch den dringenden Wunsch nach Veränderung und emotionaler Freiheit, wie sie sagt: „Wenn man sich in Kapstadt umsieht, stößt man überall auf diese kolonialen Landschaften. Man hat das Gefühl, am falschen Ort zu sein oder auf manchmal offensichtliche, manchmal kaum merkliche Weise beobachtet zu werden. […] Damit bin ich aufgewachsen, und ich will nicht zulassen, dass mich das Erbe Apartheid und all die Dinge, mit denen ich konfrontiert war, und der politische Hintergrund dieser Orte erdrücken. Ich will mich zu einem Ort, der sich fremd und unvertraut für mich anfühlen soll, so als wäre er nichts für mich, neu und auf andere Weise in Beziehung setzen. Ich will mich an diesen Orten behaupten.“

Die Ausstellung „Tending to the Harvest of Dreams“ läuft vom 21. August bis 14. November.

Das Museum für Moderne Kunst führt die Reihe „Kunstgespräche fort, die im letzten Jahr gestartet wurde.

Auf der Veranstaltungs-Seite des Museums gibt es eine Übersicht.

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