Lyder Øvreås Røed – Namensspiele
Nicht von den Sonderzeichen abschrecken lassen: Lyder Øvreås Røed ist eine ganz große Entdeckung.

Dass skandinavische Künstler zuweilen gut daran tun, sich der Welt nur mit ihrem Vornamen zu präsentieren, hat Björk Guðmundsdóttir schon vor mehr als 25 Jahren bewiesen. Nun muss ein komplexer Name kein Karrierekiller sein – aber eine gewisse orthographische Last bürdet dieser junge Jazzmusiker denjenigen, die sich seinen Namen nur kurz notieren wollen, dann doch auf: Lyder Øvreås Røed.
Multitalent
In seiner Heimat Norwegen ist man solche Sonderzeichen gewohnt. Zur Gewohnheit werden Auftritte des Trompeters langsam auch in allen angesagten Clubs des Landes; spielt Lyder doch Soul, Afrobeat, Funk und vieles mehr in mindestens drei verschiedenen Bands. Die achtköpfige Gruppe Fieh, für die der Mittzwanziger die Bläserarrangements schreibt, ist mittlerweile auf Festivals in ganz Europa gefragt. Nun erscheint sein Solodebüt: „The Moon doesn´t drink“ ist deutlich mehr im klassischen Modern Jazz verortet als Lyders andere Projekte. Auch findet sich hier wenig von der oft beschrieenen skandinavischen Weite. Der Trompeter spielt mit seinem Quintett große, erhabene Bläsermelodien, wie man sie sonst nur bei US-amerikanischen Kollegen findet. Die großen cineastischen Bögen erinnern zuweilen an die Kompositionen eines Brian Blade, das sanfte Trompetenspiel dagegen an einfühlsame Großmeister wie Avishai Cohen.
Lyders Bandkollegen dürften die hippen Jazzclubs im Norden ähnlich gut kennen wie der Bandleader. Hanna Paulsberg (Saxophon), Eyolf Dale (Klavier) und Steinar Raknes (Kontrabass) swingen wie einst die Kumpanen Duke Ellingtons und dürfen sich dabei in langen Soli austoben. Der Bandchef mit der smarten Nerd-Brille wechselt zuweilen zum sanfteren Flügelhorn – wovon mondbeschienene Balladen wie „The Room next Door“ nur profitieren.
Lyder Øvreås Røed-Kenner
Auch wenn es Trainingseinheiten bedarf: wer den Namen Lyder Øvreås Røed korrekt aussprechen kann, dürfte bei Diskussionen in Kennerkreisen in den nächsten Jahren die Nase vorn haben.
Musik


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