Nichts als heiße Luft von Yves Ravey
Es ist ein Grenzgang zwischen Literatur und Krimi, und Nichts als heiße Luft von Yves Ravey ist auf gerade mal 112 Seiten so fein erzählt, dass alles Überflüssige wegfällt.

„Nichts als heiße Luft“ von Yves Ravey ist unser Krimitipp der Woche
Der Literaturbeflissene bekommt eher einen Ausschlag, wenn er einen Kriminalroman in die Hand nimmt. Fans von ausgetüftelten kriminellen Plots langweilen sich schnell in der Literatur. So stehen sich die Lager unversöhnlich gegenüber. Wohingegen im Stammland des Roman Noirs, des Roman policiers in Frankreich diese Grenze nicht existiert. Ein Autor wie Yves Ravey gilt sowohl als Literat als auch als Krimiautor. Seine Theaterstücke sind an der Pariser Comédie-Française und am Théâtre national de Marseille aufgeführt worden. Ravey versteht sich darauf, ein Verbrechen literarisch heranwachsen zu lassen.
In seinem neuen Roman „Nichts als heiße Luft“ tun sich in der direkten Nachbarschaft Abgründe auf. Hier das persönliche Scheitern eines insolventen Unternehmers, gleich hinter der Hecke der kriminelle Miko und seine Frau Sally. Es kommt zu einer Affäre. Der in Scheidung lebende Barnett Trapp und die sich langweilende Ehefrau des Nachbarn amüsieren sich ein wenig. Sogleich legt Sally den Plan vor, wie man den Ehemann um sein Schwarzgeld erleichtern kann. Französischer Noir en miniature: Sprachlich so fein erzählt, dass alles Überflüssige wegfällt, Ravey sich einmal mehr als Meister der kurzen Form erweist. Nach 112 Seiten endet das Komplott absurd komisch. Es ist halt leichter, mit einem Vermögen insolvent zu gehen, als sich ein neues zu stehlen. „Nichts als heiße Luft“ steht für die Grenzüberschneidung von Literatur und Krimi. Alles ist erzählt und nichts auserzählt.
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