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Schluss mit Schuss

Buchcover „Rose Royal“ von Nicolas Mathieu

Nach „Wie später ihrer Kinder“ legt Nicolas Mathieu mit „Rose Royal“ nach. Männer sind Tiere! Das muss Frau mit Ende 40 endlich mal gecheckt kriegen. Rose hat genug von den Kerlen, die erst auf Lieblingsmensch machen und am Ende doch zum Arschloch werden, um ihr Ego durchzudrücken. Jetzt trägt sie einen Revolver in ihrer Handtasche. Neun Millimeter, geladen. Sie würde abdrücken, wenn ihr jemand grobschwanzig kommt. Der Stahl ist eiskalt und fühlt sich ziemlich gut an: härter und endgültiger, als je ein Macho es sein könnte. Doch es ist nicht so leicht, von den Kerlen zu lassen. In der Bar „Royal“ trifft sie auf Luc, der dann doch mal anders ist: Er macht in Immobilien und hat sich auch schon die Hörner abgestoßen. Versuch es, Rose! Zur Not hast du ja noch den Revolver. Die beiden zwitschern sich einen, sie turteln sich an und vögeln drauflos. Doch sie sind zu voll, es richtig zu machen.

Aber das wird schon, denkt sich Rose, die den richtigen Absprungmoment verpasst und von launigen Absackerficks wieder in so ein getaktetes Partnerding schlittert: Sie zieht bei ihm ein, begibt sich in Abhängigkeit und widersteht ihrem Freiheitsdrang. Rose hört nicht auf ihre Freundin Marie-Anne, sondern vertraut dem Revolver. Ein falsches Wort, ein kleiner Vorwurf, ein Missverständnis. Mann schweigt, Mann schmollt. Aus Verletzung wird Verachtung. Erst subtile Spielchen, dann entlädt sich aufgestauter Hass … Jeweils ein Schuss markiert den Beginn und das Ende der Beziehung zwischen Rose und Luc. Zwei knallharte Entscheidungen über Leben und Tod, mit denen Nicolas Mathieu auch abgebrühte Leser noch überrascht und berührt. Dazwischen zeigt Mathieu in gekonnt kurzen Sätzen, wie Verführung, Macht und Selbsttäuschung funktionieren. „Rose Royal“ ist ein auf wenige Seiten komprimierter und elegant erzählter Noir, der schonungslos die Fallstricke der Liebe offen legt. Mathieu zeigt, dass nicht nur Männer Tiere sind, wenn wieder einmal die Triebe locken.