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Ondara: Überraschungsalbum aus der Quarantäne

Ondara bei der Arbeit an „Tales of Isolation“
(Foto: Ian Flomer)

Erst letztes Jahr erzielte Ondara mit seinem Debüt „Tales of America“ einen Überraschungserfolg. Nun folgt die zweite Überraschung, die einmal mehr die USA der Gegenwart erklärt.

Ob Woody Guthrie wohl geahnt hat, dass er mit seinen Songs, die von der Dustbowl und der großen Depression handeln, mal unsterblich werden würde? Schwer zu glauben, wenn man bedenkt, wie lebensnah Guthrie die Umstände seiner Zeit abgebildet hat – was sie ja erst so emblematisch hat werden lassen. Das bringt uns zu Ondara: Der Grammy-nominierte Singer/Songwriter aus Kenia legt ganz spontan nach seinem gefeierten 2019er Debüt „Tales of America“ den Zweitling „Folk N Roll Vol 1: Tales of Isolation“ nach.

Die Songs sind allesamt im Lockdown in Minneapolis entstanden. Worum es geht, braucht hier gar nicht erwähnt werden: Die Stücke tragen Titel wie „Mr. Landlord“, „Isolation Boredom Syndrome“, „Isolation Depression Syndrome“ oder natürlich „Isolation Blues“. Musikalisch setzt Ondara auch auf „Tales of Isolation“ auf bodenständigen Folk und auf seine butterweiche Stimme, mit der er seinen Texten über den alltäglichen Kampf mit der Isolation ein Stück weit ihre Dunkelheit nimmt, ohne sie damit zu verklären.

Schon beim ersten Hören merkt man den Songs an, wie sie entstanden sind. Denn Ondara ist für „Tales of Isolation“ einer spontanen Eingebung gefolgt. Eigentlich hatte er nämlich ganz andere Pläne: Durch den Lockdown wurde der Sänger aus seinen Tourvorbereitungen und der Arbeit an seinem zweiten Album gerissen. Da ereilte ihn eine plötzliche Eingebung, Musik zu machen – und zwar, um sich selbst die Zeit in der Quarantäne erträglich zu machen.

„Es war nicht mein Plan, ein Album aufzunehmen“

„Nachdem ich vier Tage wie vor den Kopf geschlagen war, wachte ich eines Morgens auf und verbrachte drei Tage damit, diese Songs zu schreiben und drei weitere, sie im Wohnzimmer eines Freundes in Minneapolis aufzunehmen“, sagt Ondara über seine Inspiration für die Arbeit an „Tales of Isolation“. „Es war nicht mein Plan, ein Album aufzunehmen, ich habe eher mit einer Art Selbsttherapie versucht, meine Seele durch diese einsamen Tage zu retten. Vielleicht sprechen meine Songs zu anderen Menschen da draußen, denen es ähnlich geht.“ Ob Ondara damit auch unsterblich wird? Wer weiß. Aber Woody Guthrie hat damit ja seinerzeit sicherlich auch nicht gerechnet.

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