Positiver Twist: Massendefekt lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen!
Die Punkrockband Massendefekt lässt sich ihren Optimismus trotz herausfordernder Gesamtsituation nicht nehmen. Ob das daran liegt, dass im Tourbus auch mal Schlager laufen?

Nico, Sebi, ihr kommt ja aus Meerbusch …
Nico Jansen: Ich bin Düsseldorfer!
Auch keine arme Stadt. Meerbusch im Düsseldorfer Speckgürtel hat jedenfalls eine der höchsten Millionärsdichten Deutschlands. Wird man in Meerbusch entweder auch Millionär oder – wenn das nicht klappt – Punk?
Sebi Beyer: Es gibt hier ein Viertel, das heißt Gartenstadt Meererbusch, und da steht wirklich eine Villa neben der nächsten. Aber an sich ist Meerbusch eine freundliche, durchmischte Kleinstadt. Wir sind hier nicht alle mit dem goldenen Löffel im Mund geboren.
Eifert man denn automatisch den Toten Hosen nach, wenn man aus der Ecke kommt?
Jansen: Wir hatten auch viel Bezug zu Skatepunk und California-Punk. Aber die Toten Hosen haben uns natürlich geprägt. Ist ja irgendwie auch klar, wenn du aus Deutschland kommst und Punkrock machst.
Die Hosen gibt es seit fast 45 Jahren, euch schon immerhin seit 25. Campino und Kollegen dürften den Millionärsschnitt in die Höhe treiben. Und ihr?
Beyer: Wir nicht. Wir spielen im deutschen Mittelfeld, was für uns bedeutet, dass unser Einkommen von der Musik allein nicht ausreicht, um uns und die Familien zu ernähren und vielleicht auch mal in den Urlaub zu fahren. An Streams verdienen wir kaum etwas, CDs gibt es nicht mehr, der Markt ist total hart geworden. Ich glaube, es war noch nie schwieriger, von Musik zu leben als aktuell. Wir haben tatsächlich beide noch richtige Jobs im IT-Bereich.
Euer neues Album fängt ausgerechnet mit dem Stück „Exit-Strategie“ an. Überlegt ihr, das Abenteuer Massendefekt zu beenden?
Beyer: Nein, wir denken definitiv nicht ans Aufhören, wir haben gerade richtig Bock und fühlen uns in keiner Weise schon zu alt, auch wenn die Knochen manchmal knirschen und drei Tage durchfeiern nicht mehr funktioniert. (lacht) In „Exit-Strategie“ geht es darum, aus dem eigenen Trott auszubrechen und im Sinne einer gewissen Self-Care das Leben zu durchkämmen, um wegzulassen, was einem stört.
Jansen: Textlich war der Song zu Anfang schärfer. Er hat explizit Parteien und auch Leute genannt, die keiner braucht. Wir stehen politisch klar links, aber das weiß eh jeder. Also haben wir das dann umformuliert, auch weil wir den Leuten nicht mit so einer „Das Leben ist scheiße“-Haltung auf den Wecker gehen wollen. Wir zeigen zwar Realitäten auf, möchten aber mit einem positiven Twist in unsere Songs reingehen. Wir packen Dinge lieber an als permanent motzend durchs Leben zu laufen.
Das Album heißt „Massendefekt“ und markiert ein Jubiläum. Habt ihr euch besonders angestrengt?
Beyer: In der Tat. Wir hatten zum ersten Mal einen Überschuss an Songs für ein Album und konnten richtig auswählen. Beim Schreiben selbst sind wir komplett frei gewesen, theoretisch hätte auch ein Countrysong oder ein Schlager dabei rauskommen können.
Ihr schätzt Schlager?
Beyer: Durch meine Eltern bin ich mit Schlager großgeworden. Es gibt da solche und solche. Roland Kaiser zum Beispiel hat eine unfassbar geile Live-Show, eine stabile politische Einstellung, und er ist einfach ein guter Typ.
Habt ihr ihn schon mal für ein Duett angefragt?
Beyer: Das haben wir uns noch nicht getraut. Aber wenn, dann könnten wir ihm erzählen, dass sein Lied „Schachmatt“ oft nach unseren Konzerten im Tourbus läuft.
Musik


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