Spezial

„Rilke Revisited“: Jazzpreis-Gewinner Tilo Weber erstmals mit Soloprogramm

Tilo Weber ist zwischen dem grün der Natur in einem psychedelisch angehauchten Outfit zusehen; in seienr Brille spiegeln sich Klangschalen.
Bei Tilo Weber findet man nicht nur in seinem Outfit psychedelische Elemente, auch seine Musik verströmt etwas Spirituelles.Foto: Beat Halberschmidt

Der Einstieg in „Rilke Revisited“ von Jazzer und Schlagzeuger Tilo Weber geht über die Lyrik – doch nicht, wie zu erwarten war, mit Rilke. Erst einmal präsentiert er „Fauna“, ein Gedicht des Schriftstellers Barthold Heinrich Brockes aus dessen naturlyrischem Gedichtband. Es ist Webers persönliche Liebeserklärung an die Natur, mit dem der Musiker auch gleich die Brücke zur Musik schlägt, nämlich zu seinem Ensemble Four Fauns, obwohl er auch mal bei Y-Otis mitgewirkt hat.

Auf die Hommage folgt Solomusik. Und wer da ein großes Schlagzeugsolo vermutet, wird von Tilo Weber überrascht, wie er es gerne macht. Naturgeräusche, Blätterrauschen und Vogelgezwitscher verweben sich mit einem sorgfältig ausgesuchten Instrumentarium aus Glöckchen, Röhren und Schüsseln zu einem Klangspektrum, das stark an Neue Musik erinnert. Welcome to Webers einzigartig-surrealer Klangwelt!

Diese klanglichen Nuancen in Kombination mit dem lyrischen Aspekt entfalten eine beinahe meditative Atmosphäre, die sich dann doch noch auf den Dichter im Albumtitel bezieht. Im Stück „Leda“ zum gleichnamigen Gedicht von Rilke wirkt Webers sonore und ruhige Stimme fast wie ein reines Klangelement in der Komposition. Auch „Torso“ liegt ein bildreiches Sonett Rilkes aus seinem bekannten Lyrikband „Neue Gedichte“ von 1908 zugrunde.

Wer sich für Rilke begeistert, sich der Natur verbunden fühlt und einen beinahe jazzigen „Zen“-Moment erleben mag, kann sich von dem am 29. April 2022 erscheinenden Album „Rilke Revisited“ in die präzise darauf abgestimmte Soundwelt entführen lassen. Man wäre in guter Gesellschaft: Nicht umsonst hat Weber auch den Deutschen Jazzpreis 2022 in der Kategorie ‚Arrangement des Jahres‘ für sein Stück „Se la mia morte brami“ aus dem Album ‚Faun Renaissance‘ gewonnen.

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