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Scooter-Doku „FCK 2020“: Viel Lärm im Nichts

„FCK 2020 – Zweieinhalb Jahre mit Scooter“ sollte eigentlich eine Tourdoku werden – stattdessen wurde sie zu einer Chronik der Pandemie. Wir haben Frontmann H. P. Baxxter und Regisseurin Cordula Kablitz-Post interviewt.

Cordula, H. P., für eine Musikdoku ist „FCK 2020 – Zweieinhalb Jahre mit Scooter“ einigermaßen ungewöhnlich – weil Scooter lange Zeit gar nicht zum Musikmachen kommen.

H. P. Baxxter: Ich hoffe, die Leute haben im Kopf, dass das Ganze in einer Ausnahmesituation entstanden ist, in der die Nerven wegen der Gesamtsituation blanklagen. Ich selbst war permanent genervt, weil mein Leben sich komplett gedreht hat. Ich konnte meinen Job nicht mehr ausüben, und auch das für mein Wohlbefinden so wichtige Rumreisen ist weggebrochen. Deswegen war man vielleicht nicht ganz so fröhlich, wie man sonst gewesen wäre. (lacht)

Wann war klar, dass es im Film um die Pandemie geht?

Cordula Kablitz-Post: Das war eigentlich nicht der Plan. Ich hatte davor einen Tourfilm über die Toten Hosen gemacht und wollte etwas Ähnliches mit Scooter machen. Es gab ja noch nie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Phänomen Scooter, dabei gibt es ja wahnsinnig viel Archivmaterial, wie man im Film auch sieht. Obwohl es schrecklich war, wie H. P. schon gesagt hat, hat es mich gefreut, wie viel Zeit wir mit der Band verbringen konnten. Eigentlich kannst du natürlich nicht zweieinhalb Jahre mit einer Band drehen. Aber wir haben gewartet, bis alles wieder besser wurde, weil ich kein depressives Ende wollte.

Glück im Unglück, sozusagen?

Kablitz-Post: Im Nachhinein ist es genial, dass wir im Lockdown angefangen haben zu drehen – solche Bilder kriegst du nie wieder! In Hamburg war kompletter Stillstand, die Reeperbahn war tot. Ich hätte nie gedacht, dass wir in dieser Zeit so viel reisen würden. H. P. hatte das Talent, immer die Schlupflöcher zu finden, wo es gerade ging.

Baxxter: Man sieht unterschwellig auch den Irrsinn in Deutschland. Wir haben im Ausland ganz normale Shows gehabt, während hier noch alles war wie vorher. Ich war immer eher Beobachter, Corona hat mich nicht interessiert, ich hatte das kurz am Anfang, aber es war wie eine harmlose Erkältung. 2021 hat sich dann gezeigt, wie absurd das alles war – aber erst 2022 hatten wir wieder eine Tour unter normalen Bedingungen. Dramaturgisch im Film fand ich das natürlich super.

Warst du im Vorfeld Scooter-Fan, Claudia?

Kablitz-Post: Ich muss nicht unbedingt Fan sein, es reicht, wenn ich einen guten Draht zum Künstler habe. Die Voraussetzung ist, dass die Protagonisten mich in ihre Welt reinlassen. Und ich durfte mit meinem Team wirklich überall dabei sein, selbst in den Momenten, wo es Stress gab. Das sind ja im Nachhinein oft die lustigsten Momente. (lacht) Die Musik hat mich insofern begeistert, weil sie so energetisch ist. Die Party-Stimmung, die da entsteht, kann man nicht unbedingt zu Hause spüren, dazu muss man ins Konzert gehen.

Baxxter: Das stimmt nicht. Viele haben mir gesagt, dass sie Scooter anmachen, wenn sie die Wohnung putzen, schlecht drauf sind oder Sport machen. Ich habe sogar schon gehört, dass bei „How much is the Fish?“ ein Kind gezeugt wurde.

Kablitz-Post: (lacht) Das ist ja super, das wusste ich noch nicht!

Wie war es denn für dich, H. P., dieses Team so nah an dich ranzulassen?

Baxxter: Manchmal war es ungewohnt, im privatesten Bereich immer diese Kameraleute zu haben. Wobei: Das Schlimmste war meine Angst, dass die mir alles kaputthauen. Denn der Kameramann läuft ja immer im Blindflug durchs Haus und merkt nicht, wenn er mit dem Hintern etwas umreißt. Aber nach einiger Zeit hat man sich so daran gewöhnt, dass man es gar nicht mehr wahrnimmt, und man verhält sich wie immer. Ich glaube, man würde im Film auch sofort merken, wenn wir da Theater spielen würden. Dazu macht man ja keine Doku.

Hattest du im Vorfeld bestimmte Vorstellungen? Und haben sie sich bewahrheitet?

Baxxter: Ich bin relativ neutral reingegangen. Letztlich weißt du ja im Voraus nicht, was die Regisseurin daraus macht. Für mich war wichtig, etwas zu haben, bei dem die Leute hinter die Kulissen gucken können. Leute, die sich nicht mit Scooper beschäftigen, denken oft, das sind ein paar Vollidioten, die „Hyper, hyper!“ schreien, aber kapieren nicht, dass da mehr hinter steckt. Ich dachte, so hat man etwas Bleibendes, ein Dokument. Sonst gibt es nur Musikvideos oder Interviews, die vielleicht irgendwann nicht mehr auffindbar sind.