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Harte Schale, weicher Kerl

Scott Thornley: Der gute Cop

Effektive Leichenentsorgung ist ja immer ein Thema in der Gangsterbranche. Neben Kreativität sind da vor allem handwerkliche Fähigkeiten gefragt, wie sich in der kanadischen Provinz Ontario zeigt. In der Hafenstadt Dunburn stößt die Polizei auf fachmännisch in Folie eingeschweisste und einbetonierte Leichen sowie auf geschredderte Knochenreste. Den stiernackigen Opfern – offenbar Mitglieder einer berüchtigten Motorrad-Gang – wurden die Schädel eingetreten und mit einem elektrischen Tranchiermesser die Tattoos oder gleich das ganze Gesicht weggesäbelt.

So müssen sich Detective MacNeice und sein Team mit Presslufthammer, Schweißbrenner oder Hochleistungs-Staubsauger immer erst ein Bild von der Lage machen, bevor die Ermittlungen beginnen können. Vieles deutet auf einen Biker-Krieg hin. Aber auch ein erbittert geführter Konkurrenzkampf im Baugewerbe könnte hinter dem Gemetzel stecken, denn von einem ehrgeizigen Hafen-Projekt möchte jeder profitieren.

Dass der Bürgermeister die Sache schnell vom Seziertisch haben will, ist verständlich – und verdächtig. Als dann Gangmitglieder auf offener Straße in die Luft gesprengt werden und sogar ein Sergeant mehr als nur seine Hand verliert, gerät der bislang so coole MacNeice richtig unter Druck. Vor allem, da gleichzeitig ein selbsternannter Tempelritter einen privaten Kreuzzug gegen farbige Frauen führt und sich die junge muslimische Polizistin Fiza Aziz leichtfertig in höchste Gefahr begibt.

Ein Detective im Kampf gegen Korruption und Killerwahnsinn, und natürlich: Kein Kanada-Krimi ohne böse Biker! Soweit also ein Spannungs-Standardgemisch, das hier – ziemlich gekonnt – durch den Betonmischer gedreht wird. Scott Thornley erschafft mit seiner MacNeice-Serie lebensnahe Charaktere, die Macht- und Missbrauchsstrukturen nicht nur kanadischer Alpha-Machos offenlegen. Vor allem Detective MacNeice ist sehr vielschichtig und ungewohnt verletzlich gezeichnet:

Der kompetente Cop ist überhaupt nicht so abgebrüht und breitbeinig, wie es sein Job von ihm verlangt. Doch gerade deshalb ist er stark. Nach dem Dienst reichen der doppelte Grappa und etwas Brahms längst nicht mehr, um den Horror zu verdrängen. Trost erfährt er eher, wenn er mit seiner verstorbenen Frau Kate redet. Und wenn sonst nichts mehr geht, sucht er Sinn und Erkenntnis in dem, was die Vögel ihm so zwitschern …