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„Sonntagnachmittagsblues“: Gen Z ganz ohne Kitsch

Die Serie „Sonntagnachmittagsblues“ läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.
Louise (Liv Henneguier, li.) wird von ihren neuen Mitbewohnern Charlie (Clara Bretheau, Mi.) und Nelson (Théo Christine, re.) in deren sonntägliches Ritual eingeführt. Die Serie „Sonntagnachmittagsblues“ läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden. (Foto: Arte F / © Carole Bethuel)

Die französische Dramedyserie „Sonntagnachmittagsblues“ bei Arte und in der Mediathek wirft einen so unkitschigen wie dennoch sensbiblen Blick auf die Menschen der Gen Z in Paris.

Als Louise ein Stipendium in Paris kriegt, sieht sie von Limoges in die Hauptstadt, um dort ihr erstes Filmdrehbuch abzuschließen und in einen Film umzusetzen. Zunächst schläft Louise in einer Jugendherberge, doch dann spricht Charlie sie an. Sie und Nelson leben in einer WG und haben noch ein Zimmer frei. Schon bald sind sie mehr als nur eine WG-Gemeinsaft. „Sonntagnachmittagsblues“ kann jetzt in der Arte-Mediathek gestreamt werden und läuft am 19. und 26. 3. mit je vier folgen bei Arte.

Isabel Coixet („Der Buchladen der Florence Green“, „Learning to drive“) hat das Drehbuch zu „Sonntagnachmittagsblues“ geschrieben und auch verfilmt. Ihre Heldin Louise (Liv Henneguier, „Forever young“) und deren Umzug nach Paris sind für uns der Einstieg in eine auch ihr noch etwas fremde Welt der Gen Z in der Metropole. Mehr noch: Ihr Streben beim Filmemachen – obwohl selbst in diesem Alter – liegt mit den Interessen der Gen Z mit ihren TikTok-Interessen total über Kreuz. Ihr Drehbuch handelt von einer nie gelebten Liebesgeschichte der Musikikonen der 1960 Françoise Hardy und Nick Drake. Die beiden Stars tauchen sowohl in Louises Wachträumen auf – sie sind regelmäßig im Pariser Stadtbild zu sehen –, aber auch in möglichen Sequenzen eines noch nicht gedrehten Films. Ihr Mentor Ted Mackey, gespielt vom US-Schauspielstar Tim Robbins („Short Cuts“, „A perfect Day“), sieht zunächst überhaupt keine Chance, das Drehbuch umzusetzen, gibt Louise aber per Videoschalte wertvolle Tipps und Hinweise für den Erfolg beim Filmschaffen. Gegenüber diesen Handlungssträngen sind fällt die Beobachtung von Charlie (Clara Bretheau) und Nelson (Théo Christine) etwas ab, was nicht bedeutet, dass deren Leben in der Serie geringer gewichtet wird. Ihre Freundschaft seit der Kindheit wird ebenso feinfühlig hergeleitet wie ihre jetzige Beziehung zueinander ausggeleuchtet wird. Darüber hinaus bindet Regisseurin Coixet Themen wie Rassismus, Fat Shaming, Generationenkonflikte und Findungsprobleme der Gen Z – Aufzählung nach zwei gesichteten von insgesamt acht Folgen – so in die Handlung ein, dass sie absolut nicht didaktisch wirken. Im Gegenteil: Der Blick der Regisseurin ist ein fast schon poetischer. Farben bestimmen das Bild, wenn der Blick einer Hauptperson nach innen geht, in die Gedanken, wenn innere Monologe mit den Bildern kongenial harmonieren. Auf diese Weise entsteht eine so sensible wie auch fragile Welt der Drei, deren Zentrum der Sonntagnachmittag ist, wenn sie auf dem Sofa liegend und weinend Liebesfilme der Filmhistorie schauen. Dass dies völlig ohne Kitsch und unprätentiös möglich ist, mag man kaum glauben, aber es ist so.

Einen Trailer in deutscher Synchronisation oder mit deutschen Untertiteln war nicht zu finden.

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