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Sophia Blenda: „Ich kann mir eine gewisse Art von Heiterkeit zurückholen.“

Portraitfoto Sophia Blenda
foto: Michael Wuermer

Als Sängerin der Wiener Band Culk werden die Verdienste von Sophie Löw nicht immer gewürdigt. Auch deshalb verwandelt sie sich jetzt mit dem Solodebüt „Die neue Heiterkeit“ in Sophia Blenda.

Sophie, als Sophia Blenda veröffentlichst du jetzt dein Solodebüt „Die neue Heiterkeit“.  In dem Begriff „Heiterkeit“ steckt drin, dass irgendwie alles ganz okay ist und man im Großen und Ganzen mit den Umständen im Reinen ist, oder?

Sophie Löw: Genau, außerdem geht es viel um Leichtigkeit. Ich finde das Wort so spannend, weil es nicht dasselbe ist wie Glück oder Freude.

Wenn du dein Solodebüt „Die neue Heiterkeit“ nennst, impliziert das also eine Unabhängigkeitserklärung?

Löw: Es bedeutet, dass man Verantwortung übernehmen kann, um sich nicht in eine Abwärtsspirale zu begeben. Ich kann mir eine gewisse Art von Heiterkeit zurückholen.

Veröffentlichst du die Platte unter dem Pseudonym Sophia Blenda, um eine Distanzinstanz zu installieren, die dir Schutz gewährt?

Löw: Einerseits das, andererseits kann ich in der Musik Dinge ausleben, die ich als Privatperson vielleicht nicht machen würde. Lustigerweise ist es für mich authentischer, da einen anderen Namen zu verwenden. Es ist ein anderer Teil, eine ganz bestimmte Facette von mir.

Was unterscheidet Sophie Löw und Sophia Blenda?

Löw: Sophia ist mutiger. (schmunzelt)

Inhaltlich greifst du mit feministischem Blick auf gesellschaftliche Machtverhältnisse ja Themen auf, die auch schon auf dem letzten Album deiner Band Culk zentral gewesen sind. Doch statt Postpunk gibt es jetzt Kammerpop mit Streichern, Elektronik und dem Klavier als zentralem Instrument. Ist der Alleingang vor allem musikalisch motiviert?

Löw: Ich wollte mehr mit meinem Ursprungsinstrument mehr machen. Auf dem Klavier entstehen fast alle meine Ideen, die bei Culk dann eben oft als Gitarrenpart enden. Aber mir war wohl auch der Beweis wichtig, dass ich alles allein machen kann. (lacht) Das ist vielleicht nicht besonders gesund, aber bei der Band wurde ich oft mit der Außenwirkung konfrontiert, dass ich singe und die ganze Musik von der Band kommt. Wenn du einen Großteil der Produktion übernimmst, und es wird dir nicht geglaubt, dann ist der nächste Schritt, dass du einfach alles produzierst. Klar, zuletzt haben ja auch meine Texte für Culk viel Aufmerksamkeit bekommen – trotzdem war dieser Beweis ein wichtiger Ansporn. Ich habe ja auch das ganze Artwork entworfen und mit Selbstauslöser fotografiert.

Deine poetischen Texte sind oft sehr düster. „Wie laut es war“ setzt sich etwa mit Ängsten und Unsicherheiten auseinander, die sich aufgrund gesellschaftlicher Strukturen bereits in ganz jungen Jahren sehr tief eingeschrieben haben. Doch auch da ist zumindest dieser eine Satz, der mit Verweis auf Schwesternschaft ein bisschen Mut macht: „Wir halten dich weiter ohne Ungeduld“.

Löw: Ich habe versucht, Hoffnung zu streuen. Bei „Schwester“ singe ich ja auch: „Hand um Hand/Wir ziehen uns an den Rand“. Die Unterdrückten können ein Bündnis schließen, damit sie in ihrer Situation nicht allein sind. Mir war es wichtig, das immer wieder zu unterstreichen, weil alles ein Pendeln zwischen Hoffnung und Ohnmacht ist. Ganz am Ende heißt es im Titelstück ja auch: „Vergangenheit überholt die neue Offenheit“. Errungenschaften können wieder einkassiert und zerstört werden.

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