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Steffen Kopetzky: Propaganda

Mit seinem neuen Roman versucht Steffen Kopetzky die Geschichte der Propaganda vom zweiten Weltkrieg bis Vietnam nachzuzeichnen. Seine Geschichte ist aber auch eine Desillusion über die USA als Verteidigerin einer freien Welt.

Steffen Kopetzky veröffentlicht seinen neuen Roman „Propaganda“.

Steffen Kopetzky hat sich mit seinem neuen Roman „Propaganda“ viel vorgenommen. Einerseits zeigt er anhand der „Allerseelenschlacht“ im Oktober 1944 im Hürtgenwald, wie es zu einer der desaströsesten Niederlagen der US-Truppen im Zweiten Weltkrieg kommen konnte und welche Elemente der strategischen Kriegsführung sich die USA hinterher von den deutschen Truppen abschauten. Andererseits – und dabei gerät Wichtiges zu kurz und zu pauschal – will Kopetzky die Geschichte der militärischen Propaganda bis hin zum Sündenfall am Beispiel Vietnam nachzeichnen: Die Erfinder der Propaganda glauben am Ende selber ihren Lügen, bis sie aus den eigenen Reihen durch die Mutter aller Leaks gestoppt werden – die Pentagon Papers im Jahr 1971.

In diesem Jahr setzt der Roman ein. Sein Held ist Major John Glueck, er sitzt wegen überhöhter Geschwindigkeit ohne Führerschein irgendwo in Missouri im Knast. Während draußen die Pentagon Papers steil gehen, erfahren wir im Gefängnis, wie das Enkelkind deutscher Auswanderer 1941 bei einem Kurs in Creative Writing J. D. Salinger und Charles Bukowski kennenlernt; wie er drei Jahre später im zurückeroberten Paris mit Ernest Hemingway säuft; wie er den Hürtgenwald mitmacht. Vom Glauben fällt er aber später ab: 1969 in Vietnam. Major John Glueck ist Kopetzkys Personifizierung des guten Gewissens, seine Rückblicke sind dokumentierte Desillusion über die USA als Verteidigerin einer freien Welt.

War die Propaganda im Zweiten Weltkrieg trotz ihres im Kern lügnerischen Ansatzes noch etwas Positives, die USA musste Nazi-Deutschland wieder auf Kurs bringen, so verdeckte sie später nur die wahren Intentionen der Supermacht. Diese Erkenntnis erlangt der Major des militärischen Geheimdienstes etwas schablonenhaft, eine tiefere Charakterzeichnung fehlt dem Helden von „Propaganda“. Aber vielleicht kann eine fiktive Gestalt mitten in diesen übermächtigen realen Katastrophen einfach nicht bestehen.

Steffen Kopetzky Propaganda

Rowohlt Berlin, 2019, 496 S., 25 Euro

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