„The Mailman“ von Andrew Welsh-Huggins
Wenn der Paketmann dreimal klingelt: In dem Thriller „The Mailman“ von Andrew Welsh-Huggins geht es um einen Lieferboten, der seinen Job ungewöhnlich gewissenhaft ausübt …
„The Mailman“ von Andrew Welsh-Huggins ist unser Krimitipp der Woche
Eine gewisse Passion bei der Ausübung einer Tätigkeit wird immer noch mit Bewunderung honoriert. So schaut man voller Anerkennung auf den selbstständigen Paketkurier Mercury Carter und dessen Antagonisten Finn, der sich selbst wohl in der Sparte „effektive Beschaffungslösungen“ verorten mag. Zwischen beiden entsteht durch Zufall ein Wettstreit der Obsessionen, bei dem die Eheleute Rachel und Glenn Stanfield zugleich Auslöser wie auch Opfer sind. Zusammen mit drei weiteren bewaffneten Männern dringt Finn in deren Wohnung ein. Im Gepäck: Klebeband, Kabelbinder, Skalpelle, Zangen, Gasbrenner, Bohrmaschine sowie eine Gartenschere. Da ahnen die schwangere Anwältin und ihr Mann drohendes Ungemach, als es geknebelt und mit hinterrücks gefesselten Händen runter in den schalldichten Keller geht. Sollte Finn nicht bekommen, was er fordert, wird sich Glenn ab jetzt minütlich von jeweils einem Körperteil trennen müssen. Vielleicht ist es ein bisschen übertrieben, um an ein scheinbar unbedeutendes Dokument von Rachel zu kommen, doch will Finn den Job für seinen Auftraggeber Jason zuverlässig und zeitsparend abwickeln.
Dann aber klingelt – just als es Schnipp-Schnapp machen soll – der hartnäckige Kurier Carter mit einem Paket für Rachel, welches er partout nur persönlich übergeben will. Carter ist nicht der Typ, der sich leicht abwimmeln lässt. Damit sein Lieferplan nicht unnötig durcheinander gerät, greift er kurzerhand zu Pfefferspray und Schlagring, nimmt die drei Brutalos gekonnt aus dem Spiel, befreit Glenn und verfolgt mit ihm zusammen den in Richtung Chicago flüchtenden Finn, der seinerseits Rachel als Geisel festhält. Dieser einfallsreiche Thriller hat Tempo wie Amazon Prime auf Speed. Worum es eigentlich genau geht, bleibt durch zahlreiche wohldosierte Irritationen lange unklar: Glenn und Rachel verheimlichen sich gegenseitig etwas, und Mercury hat mehr als nur Berufsstolz im Gepäck. Andrew Welsh-Huggins sollte man nicht einfach als Domestic-Noir-Autor abstempeln. Bei ihm geht so richtig die Post ab!
Mit „The Mailman“ hat es Andrew Welsh-Huggins auf unsere Liste der besten Krimis im April 2026 geschafft.