„Fair Play“ von Louise Hegarty
In ihrem Debüt „Fair Play“ bricht die irische Autorin Louise Hegarty mit den Leseerwartungen und spielt clever mit den goldenen Regeln des Detektivromans.
„Fair Play“ von Louise Hegarty ist unser Krimitipp der Woche
Sie versteckt die Mordwaffe (eine Champagnerflasche), legt falsche Fährten und vernebelt durch irritierende Hinweise die Sicht auf die Auflösung. Abigail bereitet alles für ihr taditionelles Krimidinner (Dresscode: Goldene Zwanziger) vor. Zu Silvester lädt sie Freunde und Weggefärten ihres Bruders Benjamin stilecht in ein Landhaus ein, um in dessen Geburtstag reinzufeiern. Der gesellige Spaß wird zum traurigen Ernst, als Benjamin am nächsten Morgen leblos (Der Arzt diagnostiziert vorschnell: Selbstmord) aufgefunden wird. Wer sich jetzt auf einen klassischem Whodunnit mit Locked-Room-Mystery freut, wird nicht enttäuscht. Doch legt die irische Autorin Louise Hegarty wie ihre Figur Abigail falsche Fährten: Ihr Romandebüt bricht mit den Leseerwartungen und spielt clever mit den überkommenen („goldenen“) Regeln, die in den Zwanziger Jahren für Detektivgeschichten definiert worden sind.
So ist sich Privatdetektiv Bell (bekannt aus Bestsellern und natürlich mit einem „Watson“ an seiner Seite) durchaus seiner fiktionalen Identität bewusst. Wie es sich gehört, weiß er um seine Aufgabe, die begrenzte Zahl von Verdächtigen nacheinander zu befragen und mit immer neuen Theorien über den Tathergang die Spannung bis zur Auflösung aufrecht zu erhalten. Louise Hegarty springt mit Witz und Ironie zwischen verschiedenen Ebenen, entlarvt die Erzählrealität als Fiktion und wendet sich mit Exkursen an die Lesenden. Wie im echten Leben offenbaren Trauerverarbeitung und facettenreiche Nachbetrachtung des Todesfalls auch Lebenslügen und vermeintliche Freundschaften. So ist Hegartys Rätselkrimi zugleich Hommage wie lustvolle Dekonstruktion.
Mit „Fair Play“ hat es Louise Hegarty auf unsere Liste der besten Krimis im Mai 2026 geschafft