„Der Prinz“ von Magdalena Parys
„Der Prinz“ ist der zweite Teil der „Berliner Trilogie“ von Magdalena Parys: Mit ihrem eigenwillig rauen, impulsiven Erzählstil führt sie sprunghaft durch eine epische Geschichte, die als dystopischer Thriller zu einer ungewöhnlich eindringlichen Mahnung wird.
„Der Prinz“ von Magdalena Parys ist unser Krimitipp der Woche
Ein toter Pfarrer hängt am Kreuz im Berliner Dom und zeitgleich im Puff der Schlüppi des Polizeipräsidenten Tschapieski an dessen Knöcheln. Doch belässt es die polnischstämmige deutsche Schriftstellerin Magdalena Parys im zweiten Teil ihrer „Berliner Trilogie“ nicht nur bei einem rätselhaften Ritualmord, der die Staatsgewalt mit heruntergelassenen Hosen erwischt. Paramilitärische Einheiten planen zudem umstürzlerische Guerrilla-Aktionen, es brennt in einem Migrant:innenviertel, und die Frau eines Ministers wird entführt. Deutschlands zweite Kanzlerin hadert noch damit, eine streng geheime Notfall-Nummer zu wählen, doch bald schon wird unter ihrem Wohnsitz eine Bombe ticken.
Nach dem Vorgängerroman „Der Magier“ müssen sich die Journalistin Bosch und Kommissar Kowalski erneut in einem alternativen Gegenwartsszenario behaupten. Der titelgebende Prinz befeuert darin skrupellos den wiederauflebenden Nationalismus und sieht den Boden bereitet für den uralten Traum eines Imperium Germanicum. Mit Foltertechnik aus der Wikingerzeit wird dabei dem Christentum nicht nur symbolisch die Dornenkrone aufgesetzt. Magdalena Parys düstere Überzeichnung einer Gesellschaftszersetzung liest sich vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen verstörend: Mit ihrem eigenwillig rauen, impulsiven Erzählstil führt sie sprunghaft durch eine epische Geschichte, die als dystopischer Thriller zu einer ungewöhnlich eindringlichen Mahnung wird.
Mit „Der Prinz“ hat es Magdalena Parys auf unsere Liste der besten Krimis im Juni 2026 geschafft.