Totenfrau – Die Rückkehr von Bernhard Aichner
Mit Band vier stellt Berhard Aichner seine Antiheldin vor eine harte Bewährungsprobe: Wieder mal muss sich Bestatterin Brünhilde Blum wehren – doch wie soll das gehen, wenn sie ihrer Tochter versprochen hat, nicht mehr zu morden?

„Totenfrau – Die Rückkehr“ von Bernhard Aichner ist unser Krimitipp der Woche
Die eigentliche Bewährung, die Blum zu bestehen hat, liegt nicht im nächsten Mord, nicht in der nächsten Flucht, nicht in den Ungerechtigkeiten, denen sie sich entgegenstemmt, sondern in der Verachtung ihrer Tochter Nela für sie. In dem Versuch, sie vor der Wahrheit zu beschützen, dass ihre Mutter eine Mörderin ist, hat sie Nela jahrelang belügen müssen, sich auf der Flucht immer wieder neue Scheinexistenzen unter falschem Namen aufgebaut. Nun lebt sie mit ihrem Freund Reza von Charterausflügen zu den umliegenden Inseln in Kroatien, hilft in einem Bestattungsinstitut aus und führt ein zufriedenes Leben. Zehn Jahre sind seit Blums letztem Mord vergangen. Im vierten Band „Totenfrau – Die Rückkehr“ der Reihe um Brünhilde Blum scheint sie endlich angekommen zu sein, obwohl der Mord an ihrem Mann immer noch präsent ist. Aichner hat uns in ihr eine Figur nahegebracht, die aus Vergeltung, aus Verzweiflung, aus der Suche nach Vergebung und aus Angst nicht vor Gewalt zurückschreckt. Blum ist keine Rächerin im herkömmlichen Sinne, sie treibt der Schmerz an, obwohl sie nach außen kühl wirkt. Es gibt stets Grenzen in ihr, die sie wider besseres Wissen überschreitet, während sie die kriminellen Machenschaften förmlich anzieht.
Fast idyllisch beginnt der Roman mit einem Charter-Ausflug. Das Paar scheint verliebt zu sein, doch dann stirbt der Geliebte, der die Frau bislang finanziell unterstützt hat, und sie steht vor einer mittellosen Zukunft. Was wiederum Blum, die in ihr eine Seelenverwandte entdeckt, dazu verführt, ihr zu helfen, sodass sie gemeinsam den Leichnam im Meer verschwinden lassen. Blum verschafft ihr Zugang zu dessen Bankkonto, weil er angeblich keine Ehefrau und Kinder besitzt. Aus dieser Tat heraus entspringen Mord, Erpressung, Verlust und eine Frauenfreundschaft. Blum glaubt angesichts von Ruths Beistand und Verständnis, endlich jemanden gefunden zu haben, dem sie neben Reza vertrauen kann.
Die Vergangenheit wird Brünhilde Blum auf eine Weise einholen, dass sie ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen kann.
Doch ihre älteste Tochter Nela weigert sich, ihrer Mutter zu vergeben, ist so verbittert, dass sie jegliche Nähe ablehnt, um schließlich die Wahrheit zu erfahren. Gleichermaßen als Blums letzter Ausweg, bevor sie sie ganz verliert. Aichner verschafft der Mutter-Tochter-Beziehung eine explosive Nähe, während das Paradies, das Blum sich mit ihrem Freund aufgebaut hat, allmählich zerbröselt: Nelas Freundin ist verschwunden, deren Mutter wendet sich verzweifelt an Blum, sucht Hilfe angesichts einer Tochter, die gerne feiern ging und tot aufgefunden wurde. Die Vergangenheit wird Brünhilde Blum auf eine Weise einholen, dass sie ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen kann. Ihre Kindheit hält sie sich nicht länger beschützt. Sie wird bloßgestellt werden. Blum müsste sich wie stets zur Wehr setzen. Wie soll das gehen, nachdem sie ihrer Tochter versprochen hat, nie wieder zu morden? Blum glaubt an die Gerechtigkeit, die sich wiederherstellt, wenn man sich bloß nicht zum Opfer machen lässt. Emotional zutiefst verstrickt, kannte sie bislang nur einen Ausweg: jegliche Moral über Bord zu werfen und zu morden.
Wer sich für „Totenfrau – Die Rückkehr“ von Bernhard Aichner interessiert, sollte auch unsere Krimikritik zu „Gnadenopfer“ von Viveca Sten lesen
Literatur


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