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War’s der Grafiker?

Cover zu „Die Taten der Toten“ von Voosen Danielsson

Eigentlich kommen Voosen Danielsson mit „Die Taten der Toten“ zu spät. Klar, der Mord an dem Ministerpräsidenten Olof Palme hat 1986 die schwedische Nation erschüttert wie das Kennedy-Attentat 1963 die USA: der gewaltsame Tod eines ungewöhnlichen Staatsoberhauptes und (umstrittenen) Hoffnungsträgers, ein unaufgeklärter politischer Kriminalfall, der durch schlampig geführte Ermittlungen zu zahlreichen Verschwörungstheorien Anlass gab, bald zur Mythenbildung führte und als nationales Trauma geblieben ist. Zwei schwedische Journalisten haben in den letzten zwölf Jahren Spuren, Aussagen und Hinweise ausgewertet und konnten trotz fehlender Tatwaffe eine schlüssige Indizienkette knüpfen, die zum wahrscheinlichsten Palme-Mörder führt. Davon überzeugt, stellte die Staatsanwaltschaft am 10. Juni dieses Jahres fest: Stig Engström war’s! Der Grafiker – politisch rechts – hat sich nach der Tat als Zeuge und Wichtigtuer aufgespielt und gilt als Einzeltäter. Zu einer Anklage gegen ihn wird es trotzdem nie kommen: Vor zwanzig Jahren hat er Suizid begangen. Der spektakuläre Fall scheint auserzählt …

Ungeahnte poltische Intrigen

Doch wenn die (fiktive) Kommissarin Stina Forss bei Voosen Danielsson die Waffe des Palme-Mörders im Nachlass ihres verstorbenen Vaters findet, spielt der Krimi gleich mit dem Schwachpunkt der realen Ermittlungen. Zu banal die Erklärung, dass ein Einzelner hinter einem so brisanten Mord steht und das wichtigste Beweisstück nie gefunden wurde. Zusammen mit Chefin Ingrid Nyström und ihrem engsten Team startet Forss eine illegale Ermittlung, um die Spur der Pistole nachzuverfolgen. Dabei setzen sie sich mit den bekannten Fakten auseinander und spielen zunächst die bisherigen Theorien durch. Doch stoßen sie auf ungeahnte politische Intrigen und Einflussnahmen, deren Auswirkungen sie bereits in früheren Fällen zu spüren bekommen haben.

Voosen Danielsson haben die besseren Clous

Der achte Band der Forss-Nyström-Serie bringt die durchgehende Erzählebene zum Höhepunkt und führt ihre Protagonisten zur Katharsis. Andeutungen aus den bisherigen Bänden verbinden sich jetzt durch den Mordfall Palme. Stina Forss und Ingrid Nyström bekommen es dabei nicht nur wieder mit unerbitterlichen Gegnern zu tun, sondern müssen sich jetzt auch selbst als Polizisten hinterfragen. Das Duo Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson steht in der Tradition von bekannten Autoren wie Maj Sjöwall/Per Wahlöö oder Stieg Larsson, die sich kritisch mit den politschen und gesellschaftlichen Abgründen und Brüchen des angeblichen Vorzeige-Wohlfahrtsstaates auseinandersetzten. Dass Kriminalromane solche Schwachstellen durch Überspitzung der Realität eindrücklich abbilden, ist legitim. Spannender als der Abschlussbericht einer Staatsanwaltschaft lesen sie sich allemal – und sie haben auch die besseren Clous: Stina Forss lässt die begehrte Tatwaffe durch einen simplen Zaubertrick einfach verschwinden …