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„Spark“ von Whitney: So nah am Feuer

Portraitfoto Whitney sitzend
Foto: Tonje Thilesen

Mit dem dritten Album „Spark“ erweitern Whitney ihren angestammten Sound – und klingen plötzlich wie eine Boyband zur Jahrtausendwende.

Mit „Spark“ veröffentlichen Whitney ihr drittes Studioalbum: Natürlich gibt es zu jedem derzeit erscheinenden Album auch eine Pandemie-Geschichte – aber will die noch jemand hören? Wesentlich spannender ist dagegen die Herausforderung, dieses kollektive Trauma ganz direkt in einem Song zu thematisieren: „Well I never would have guessed/Better days were up ahead/After all the loneliness/Blue skies don’t feel so wrong“, singt Julien Ehrlich in dem Song „Back then“ – und transportiert so auf komplett unpeinliche Weise eine Aufbruchstimmung. „Das war nicht geplant und ist uns quasi rausgerutscht“, kommentiert sein Kollege Max Kakacek. „Wir haben gezögert und uns gefragt, ob es zu plump ist. Schließlich fanden wir es aber okay, weil für uns in diesen Zeilen sehr viel mehr als nur die Lockdown-Erfahrung steckt.“

So ist das dritte Album für Whitney in vielerlei Hinsicht ein Ringen um Optimismus: Nach dem Ende einer fünfjährigen Beziehung muss Ehrlich raus aus Chicago und zieht zurück in seine Heimatstadt Portland. Auch musikalisch hat sich ein gewisser Frust aufgebaut, denn die beiden fühlen sich in ihrem reduzierten Folksound gefangen. Und schließlich sind die Monate der Isolation wegen der Waldbrände in Oregon umso bedrohlicher für sie. „Der Himmel war rot, wir durften nicht mehr raus, und alles hat nach Rauch gerochen“, erinnert sich Kakacek an die Zeit in Portland. Kein Wunder also, dass sie ihrem Album den Titel „Spark“ gegeben haben.

Mit der opulent produzierten Platte „Spark“ öffnen sich Whitney dem Pop.

Doch Whitney verbarrikadieren sich und öffnen sich dem Pop: Die opulent produzierte Platte klingt heller und eleganter, oft übernehmen Klavier und Synthesizer die Führung, und der prägende Falsettgesang von Ehrlich ist zwar noch da, wird aber zugleich sparsamer und effektiver eingesetzt. Am Radikalsten ist die Weiterentwicklung beim Albumhöhepunkt „Self“: Unterstützt von einem Saxofon pendelt der Song zwischen Jazz und R’n’B, um mit dem einsetzenden Gesang schließlich beim Boybandsound der Jahrtausendwende anzukommen. Hier ist es die musikalische Umarmung, die den Ausweg aus schweren Zeiten weist: „This year’s halfway gone/I know the feeling all too well/I’m still up at dawn/Don’t wanna be with no one else.“

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