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Who’s that boy? Der spannendste Newcomer 2026

Über Dove Ellis und seinen Indiefolk weiß man bislang noch sehr wenig – außer, dass er sehr gut ist.
Über Dove Ellis und seinen Indiefolk weiß man bislang noch sehr wenig – außer, dass er sehr gut ist. (Foto: Black Butter)

Er ist der derzeit spannendste Newcomer – und das liegt auch daran, dass man so gut wie nichts über Dove Ellis weiß.

Wie aus dem Nichts ist dieser 22-Jährige aufgetaucht, der in der westirischen Hafenstadt Galway geboren wurde und mittlerweile in Manchester lebt. Gerüchten zufolge haben sich die Majors mit ihren Angeboten gegenseitig überboten, weil sie Dove Ellis unbedingt unter Vertrag nehmen wollten – doch der hat lieber bei dem kleinen Indielabel Black Butter Records unterschrieben, das dann auch Ende vergangenen Jahres sein Debütalbum digital veröffentlicht hat. Wenn „Blizzard“ jetzt fast ein halbes Jahr später auch endlich auf Vinyl erscheint, weiß man allerdings immer noch nicht viel mehr über Dove Ellis: Interviews lehnt er ab, und auch über seine Social-Media-Kanäle erfährt man so gut wie nichts Privates. In Zeiten des digitalen Overkills wird diese Verweigerung ja auch gern als clevere Marketingstrategie genutzt, doch schaut man sich im Netz die zahlreichen Mitschnitte seiner Auftritte an, wird man das dem introvertierten Musiker nicht ernsthaft unterstellen wollen.

„Blizzard“ von Dove Ellis: Out now!

Es bleibt die Musik, um Dove Ellis näherzukommen, wobei die Tatsache, dass er kurz vor der Veröffentlichung seines Debüts die Band Geese auf deren US-Tour begleitet hat, bei einer Einordnung hilft: Mit „Blizzard“ pendelt er zwischen klassischem Songwriterfolk und Kammerpop. Ellis hat die Platte selbst produziert, und auch wenn bei den fragilen Arrangements zahlreiche Instrumente wie Klavier, Klarinette, Cello und Akkordeon zum Einsatz kommen, steht natürlich sein Gesang im Zentrum. Oft singt er mit Kopfstimme, was Vergleiche mit Thom Yorke oder Jeff Buckley, aber auch mit Beiruts Zach Condon und Conor O’Brien von den Villagers mehr als rechtfertigt. Doch Ellis’ Stimme zeichnet vor allem eine enorme emotionale Bandbreite aus: Er leidet, leiert, schmachtet, plötzlich aber ist er trotzig, begehrt mit fester Stimme auf – und all das gerne auch innerhalb eines einzelnen Songs.

„Love is not the antidote to all your problems“: Dass uns die Liebe allein nicht retten wird, ist eine Botschaft, die Dove Ellis unmissverständlich formuliert. Allerdings ist der Song „Love is“ eher eine Ausnahme, denn meist lässt sich bei den poetischen, assoziativen Lyrics voller Wortspiele gar nicht so genau sagen, worum es eigentlich geht. Seine Texte sind wunderschön, und sie wollen mit subjektiver Bedeutung aufgeladen werden: „We make steam/Drawing in the shower/Dogs on the glass/A face and an ass/From the dampness of power/From the failures that we’ll be in an hour“, heißt es etwa in dem Trennungssong „Features, Cash“. Es sind Texte wie dieser, mit denen uns Dove Ellis ganz nah kommt und auch in dunklen Momenten seinen Beistand anbietet. Vielleicht lässt sich „Blizzard“ als Spaziergang mit einem Freund beschreiben. Über diesen Freund wissen wir so gut wie nichts, doch erfühlen können wir ganz viel.

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