Party mit Parks
Mit ihrem dritten Album „Ambiguous Desire“ holt Arlo Parks nach, was ihr zwischen Mercury Preis und Grammys gestohlen wurde.

Es ist paradox: Auf der einen Seite soll die Gen Z aufgrund von Pandemie, steigenden Preisen und Fitnesstrends das Feiern verlernt haben, auf der anderen Seite ist der Gegenwartspop voll von Klubsound. Beyoncé und FKA Twigs, Sudan Archives und Harry Styles – alle haben sie ihre Klubalben. Und mit der 2000 geborenen Arlo Parks gesellt sich nun eine waschechte Gen-Zlerin zu jenem illustren Kreis.
Noch nie habe sie so viel getanzt wie während der Produktion zu ihrem dritten Album „Ambiguous Desire“, erklärt die mittlerweile in LA lebende Londonerin. Was sie damit meint: 24-Stunden-Raves in den dreckigen Technohöhlen New Yorks. „Gelacht und gelacht und gelacht“, habe sie während ihrer nachgeholten Partyphase. Eine Freude, die man von der 25-Jährigen eigentlich weniger gewohnt ist, wurden ihr vielfach ausgezeichnetes Altpop-Album „Collapsed in Sunbeams“ und der Nachfolger „My soft Machine“ doch vor allem wegen des so offenen und poetischen Umgangs mit Depression, Angststörungen und ungeteilter Liebe gefeiert.
Arlo Parks im Klub: Wieso erst jetzt?
Zwar hat die Melancholie und Bedroom-Gemütlichkeit von Parks Sound überlebt, und reduzierte Gitarren-Songs wie etwa „South Seconds“, in dem sämtliche Unsicherheiten ausgebreitet werden, erinnern noch an alte Zeiten, doch wurden die Instrumente für „Ambiguous Desire“ großflächig gegen Synthies und Samples, Bässe und Breakbeats eingetauscht. Nächtliche Autofahrten zum Klub („Jetta“), UK-Garage-Piratensender-Ästhetik („Get Go“) und Basswände („Heaven“) dominieren; The Streets und Burial lassen grüßen.
Zu keinem Zeitpunkt wirkt es, als würde sich Parks ein Soundkostüm überstülpen. Man fragt sich eher: Wieso erst jetzt? Als queere Künstlerin, die stets offensiv die eigene Außenseiterrolle gelebt hat, ist der Klub natürlich ein Ort der Befreiung. Noch immer ist da diese dunkle Wolke über ihrem Kopf. „There’s a sadness that I really can’t shake“, singt Parks auf dem Klubhit „2SIDED“, doch scheint die Frau mit dem rotgefärbten Kurzhaarschnitt nicht mehr ganz so allein damit zu sein. Geholfen hat der Klub. Und selbst, wenn er wie bei diesem Album oft nur vortäuscht, Wünsche und Verlangen zu erfüllen, ist Tanzen in jedem Fall besser, als auf der Couch oder dem Laufband zu vereinsamen.
Musik


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