∞+1 von Bilderbuch: Dröhnend in den Untergang
Keine Selfcare-Routine der Welt wird uns vor der Apokalypse bewahren – das behaupten zumindest die Alternative-Pop-Band Bilderbuch in ihrem neuen Album "∞+1""

Diskurspop ist eine Genrebezeichnung, die zugeknöpfter kaum sein könnte: Gymnasiallehrer-Swag. Wie passt diese Zuschreibung also zu der mit Abstand coolsten deutschsprachigen Band der Gegenwart? Nun. Bilderbuch hatten schon immer ein Faible für Geschichten aus der digitalen Welt, „Love on LED Screen“ und so. Das neue Album „∞+1“ ruckelt, piept und dröhnt mit Autotune und zerhackten Vocals durch eine Zeit, in der die digitale Infrastruktur der Techunternehmen im wahrsten Sinne kriegsentscheidend geworden ist.
„Drohnen über uns leuchten wie Sterne“, singt Maurice in „Irgendwo“ mit seiner unverkennbar lasziven Art, während Uche Yara, die Mizzy Blue nach seinem Bandausstieg ersetzte, in bester Jimi-Hendrix’-US-Hymnen-Manier ihre Gitarre bis an die Grenzen der Distortion treibt. Die Dystopie ist jetzt. Und so verhandelt dieses Album, das in weiten Teilen wie ein düsteres Best-of der Alben „Schick Schock“, „Magic Life“ und „mea culpa“ klingt, die andauernde Realitätsflucht mit dem Smartphone in der Hand. Kein getrackter Schlaf („Zahlen als Beweis“), keine Skincare-Routine („Push Reality“) und auch keine Drogen („Baby Junkie“) werden uns aus der von Maurice in „Unter Wasser“ besungenen Panik und Ohnmacht befreien.
Musik


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