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Nie wieder ist jetzt! „Etty“ auf Arte ist hochaktuell

Nahaufnahme von Etty (Julia Windischbauer)
„Etty" bewegt sich gleichzeitig in Vergangenheit und Gegenwart. Die Serie läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden. (Bild: Reiner Bajo)

Die Drama-Serie wurde nach Tagebucheinträgen und Briefen der jüdischen Studentin Etty Hillesum geschrieben und in der Gegenwart umgesetzt. Etty Hillesum ist in den 1940ern deportiert und 1943 von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet worden.

Etty (Julia Windischbauer), Hauptfigur der gleichnamigen Arthouse-Serie auf Arte (ab sofort in der Arte-Mediathek streamen) hat vor, eine große Schriftstellerin zu werden, leidet aber unter einer Depression. Als ein Professor, dem sie nahesteht, nach der politisch motivierten fristlosen Kündigung Suizid begeht, verliert Etty endgültig den Halt. Sie ist in Behandlung bei Psychochirologe Julius Spier (Sebastian Koch). Mit ungewöhnlichen Methoden wie Handlesen will er ihr helfen, ihre Gefühle zu ordnen, verwirrt diese aber gleichzeitig weiter. Die sich früh anbahnende Liebe zwischen Etty und dem deutlich älteren Psychologen spielt eine zentrale Rolle für ihre innere Reise. Gleichzeitig nimmt die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu.

Etty liegt im Büro ihres Therapeuten auf dem Teppich und starrt an die Decke.
Etty (Julia Windischbauer) ist in Behandlung bei Psychochirologe Julius Spier (Sebastian Koch), der mit ungewöhnlichen Methoden arbeitet.
Foto: Anne Wilk/Mark de Blok

Die Kamera lässt Etty kaum aus den Augen, und wenn doch, dann meist um stattdessen durch ihre Augen zu blicken. Julia Windischbauer („Callas, Darling“; „Sonnenplätze“) überzeugt in der Hauptrolle, wenn sie Ausschnitte aus Hillesums Tagebüchern als Voice-Over vorträgt und bei ausgedehnten, stillen Close-ups Ettys ganze innere Konfliktlandschaft auf dem Gesicht abbildet. Die sechsteilige Drama-Serie schafft es, die Vergangenheit in eine zeitlose Gegenwart zu holen. Der israelische Regisseur und Drehbuchautor Hagai Levi stellt in „Etty“ den sich ausweitenden Einfluss der Nationalsozialisten subtil aber effektiv dar. Uniformierte SS-Männer sind selten und verschwommen zu sehen und erinnern den Zuschauer, dass Etty Hillersum sich im Amsterdam der 1940er-Jahre befand. Im Kontrast dazu stehen moderne Straßenbahnen und ein Kleidungsstil, der zu modern für die 40er ist, aber eben auch nicht den 2020ern entspricht. Daran angeknüpft erhält der Verzicht auf moderne technologische Entwicklungen wie Smartphones und Laptops die Illusion, dass sich „Etty“ im Hier und Jetzt und doch jederzeit abspielt, was die Aktualität der Serie doppelt unterstreicht.

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