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Abbas Khider – Ohrfeige

Frau Schulz, die zuständige Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde, ist gefesselt und geknebelt und muss zuhören: Karim Mensy hat viel zu erzählen, bevor er sich von einem Schleuser von Deutschland nach Finnland bringen lassen will. Karim leidet an Gynäkomastie, einer Vergrößerung der Brustdrüsen, weshalb er im Irak auf keinen Fall zum Militär wollte. Doch sein Ziel Paris erreicht er nie, weil die Schleuser Karim mitten im Winter im ländlichen Bayern einfach aussetzen. Hier will er sich einer Brustoperation unterziehen, aber die Krankenkasse zahlt nicht. Als auch noch sein Asylantrag abgelehnt wird, weil der Irak nach dem Sturz Saddam Husseins wieder als sicheres Herkunftsland gilt, taucht Karim unter. Abbas Khider ist mit „Ohrfeige“ vieles gelungen, das Wichtigste an seinem Roman aber sind: Ehrlichkeit und Humor. Khider lässt seinen Helden offen über Sexismus und Homophobie in seinem Heimatland sowie über Lügen und Täuschungsmanöver von Flüchtlingen reden, ohne ihn damit im aktuellen Diskurs den Pegida-Anhängern als Argumentationsfraß vorzuwerfen; jede Lüge und jedes Täuschungsmanöver sind logisch zwingend nachvollziehbar. Auf gleich mehreren Zeitebenen wechselt er zudem geschickt zwischen tragischen und komischen Situationen und Erzählweisen und lässt uns damit etwas Luft bei der Lektüre eines verdammt ernsten Stoffes.

Abbas Khider Ohrfeige
Hanser, 2016, 220 S.; 19,90 Euro

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