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„Mellow Moon“ von Alfie Templeman: Alles Alfie – aber anders

Nach viel Lob und frühen Erfolgen sollte das spektakuläre Debütalbum für Alfie Templeman eigentlich nur eine Formsache sein. Doch so einfach ist es nicht.

Portraitfoto Alfie Templeman
Foto: Lillie Eiger

„Zum ersten Mal gehe ich wirklich offen damit um, wie es mir mental geht“, sagt Alfie Templeman. Es ist ein vermeintlicher Knick in der Biografie des 19-Jährigen aus dem Kaff Carlton in der britischen Grafschaft Bedfordshire, dem nicht umsonst das Wunderkind-Label anhaftet: Schon 2018 veröffentlicht er seinen ersten Song, als Autodidakt spielt er mittlerweile elf Instrumente und kümmert sich auch um die Produktion seiner Musik. Die Streaming-Zahlen liegen im Millionenbereich, es gibt keine watchlist, auf der der Name Alfie Templeman noch nicht aufgetaucht ist, und nach diversen EPs und dem Minialbum „Forever isn’t long enough“ hätte das langerwartete Debütalbum „Mellow Moon“ schon längst veröffentlicht sein sollen. Doch die Pandemie setzt auch dem so sonst so aufgeschlossenen und unbekümmerten Templeman mächtig zu: Wegen einer chronischen Lungenkrankheit muss er sich schon zu einem frühen Zeitpunkt isolieren, und als er sich in der Einsamkeit immer schlechter fühlt, beginnt er, Antidepressiva zu nehmen.

Nun ist „Mellow Moon“ endlich da, und eigentlich klingt sein Genremix aus R’n’B, Pop, Folk, Disco und Rock so unbeschwert wie bisher: „Folding Mountains“ kombiniert Soul und Slacker-Attitüde, „Candyfloss“ ist perfekter Gute-Laune-Pop, und „You’re a Liar“ hört man an, dass er bei dem Song mit Tom McFarland von der Band Jungle gearbeitet hat. Es sind die Texte, in denen sich die dunklen Untertöne eingeschlichen haben, in Stücken wie „Take some Time away“, dem Titelsong und ganz besonders in „Broken“, dieser so eingängigen Popnummer: „Now I’m no detective/But from my perspective/I look out of order/I’m malfunctioning“, heißt es dort. Templemans Kompositionen bekommen eine neue Tiefe, und gleichzeitig ist es so wichtig, dass er mit musikalischem Optimismus dagegenhält. „Mellow Moon“ ist eine Kampfansage an all das Ungemach unserer Zeit, was Alfie Templeman dann auch in „Just below the Above“, dem finalen Song seines Debüts, auf den Punkt bringt: „Stay today and we’ll float away/After all the years we are still okay.“

 

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