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Die Ruhe im Sturm: Amber And The Moon mit „Things we’ve got in common“

Amber And The Moon

Die Hamburger Band Amber And The Moon liefert mit „Things we've got in common“ die wind- und wetterfeste Jacke für regnerische Spaziergänge.

An Nordsee und Atlantik haben Amber And The Moon ihr Debütalbum aufgenommen – und danach klingt es auch. Raue, tiefe Akustik-Melodien begleiten die melancholische Stimme von Ronja Pöhlmann. Gemeinsam mit ihren Bandkollegen erzeugt sie eine Atmosphäre von Ruhe und Schutz, während draußen ein Sturm tobt und das Meer aufpeitscht. „Things we’ve got in common“ lebt von seiner bildhaften Stimmung und den poetischen Textzeilen.

„There is a Place“ handelt von Rückzug. „There is a place / I go to when it’s quiet / The walls are way to thin / Not to hear you crying / Bury the years / In the shallow, love / Lock your door / Where they can’t find you“ gewährt intime Einblicke in das Seelenleben der Singer-Songwriterin. Ihr Gesang setzt immer noch etwas tiefer in die warmen, hölzernen Melodien ein als erwartet, man findet jedoch schnell Sicherheit in der Überraschung. In „Howling“ wird mit fernen, kühlen Klängen gespielt, die sich mystisch in den bereits vertrauten Klangteppich einarbeiten. Zeilen wie „All the sirens and the demons / They’re teasing me / The promise of their chains to release me free“ fügen sich in das märchenhafte Arrangement ein. Pöhlmanns Schreibweise ist tiefgründig und manchmal undurchsichtig-methaphorisch.

In der Hälfte des durchaus rhythmischen, aber ruhigen Albums, präsentiert sich die Sängerin in „Palace of gold“ stimmlich noch etwas mutiger und rauchiger. Im herben Nordsee-Walzer „The Swallow“ wiederholt sie immer wieder die Worte „You’re gone“, vielleicht um sich selbst den Abschied glaubhaft zu machen. Jazzige Elemente und Westernsounds untermalen in „El Dorado“ die düstere Geschichte eines gewalttätigen Vaters, dessen Taten hinter dem Schein der braven, religiösen Kleinstadtfamilie verheimlicht werden. „My dad is a hard-working man / And the neighbours salute / My dad, paying all the bills / So we show him some respect“ sind die abschließenden Zeilen, die sich Pölmann und Gesangspartner Jonathan Riedel gegenseitig zuwerfen. Ob das Stück autobiografisch inspiriert ist, bleibt offen.

„Her Ghost“ wagt sich in hohe Gitarrenriffs, ohne dabei die akustische Erdung zu verlieren. Die bereits gezogenen Vergleiche zu Bands wie Daughter werden spätestens hier ersichtlich. Abschluss des Albums bildet „While everything else is quiet“, das vollkommen analog aufgenommen wurde. Im Hintergrund ist immer wieder das Rauschen des Atlantiks zu hören. Der Mix aus Banjo, Bläsern und klirrenden Windspielen, macht es einfach sich fallen und von der Schwerkraft des Gesangs halten zu lassen.

Die einzelnen Stücke wirken auf den ersten Blick wenig abwechslungsreich, doch die Kunst des Albums besteht auch gar nicht darin, immer wieder neuartige Sounds zu erzeugen, sondern verschiedene Details ein und derselben Atmosphäre zu musikalisieren. Amber And The Moons „Things we’ve got in common“ ist ein Zufluchtsort im grauen, regnerischen Januar und erlaubt den Hörer:innen in eine andere Welt einzutauchen.