MUSIK

„I am my Mother“ von Black Sea Dahu: Mal eben die Welt retten

Portraitfoto Janine Cathrin von Black Sea Dahu
Foto: Paul Maerki

Janine, wie habt ihr es als Band mit Black Sea Dahu geschafft, sich nach zweieinhalb Jahren Tour und anschließender Albumproduktion nicht komplett zu zerstreiten?

Janine Cathrein: Während der Corona-Zeit haben wir eine monatliche Bandsitzung eingeführt. Es ist wirklich wie bei einer Firma: Da werden Traktanden abgearbeitet, teilweise bis zu 15. Wenn man viel auf Tour ist oder ein Album produziert, hält man Privates oder Konflikte untereinander eher zurück, weil man nicht die ganze Gruppe damit belasten möchte. Aber solche Dinge müssen angesprochen werden, sonst gibt es früher oder später einen Riesenkonflikt!

Das neue Album klingt sehr opulent und konzipiert, obwohl du es fragmentiert auf Tour geschrieben hast. Wie passt das zusammen?

Cathrein: Auf Tour habe ich Akkordfolgen und Ideen mal kurz mit dem Handy aufgenommen, und im Lockdown habe ich mir dann all diese Ideen noch mal vorgenommen. Außerdem hat mich meine Nachbarin aus der Wohnung gemobbt, da sie den Gedanken einer Musikerin im Home Office nicht verkraftet hat. Deshalb habe ich ein halbes Jahr im Proberaum gewohnt und geschrieben. Nach zwei Monaten ist dann die Band dazugekommen, und wir haben ein weiteres halbes Jahr an den Songs gearbeitet.

Im Opener „Glue“ vergleichst du die Menschheit mit einer an Demenz erkrankten Person – Geschichtsvergessen und ins eigene Unglück stürzend. Ist euer Album schwarzmalerisch?

Cathrein: Ich glaube, das Album schwankt. In der Schulzeit hatte ich den Spitznamen Captain Planet: Ich wollte um’s Verrecken die Welt retten. In den letzen Jahren bin ich aber hoffnungsloser geworden, weil es so zähflüssig ist. Aber es lebt sich einfach besser, wenn man an etwas glaubt und Hoffnung hat.

Dann ist das Album also eine groß angelegte Selbstreflexion?

Cathrein: Ich muss mich einfach leben lassen und darf nicht beurteilen. Meine liebste Zeile aus dem Song „I am my mother“ ist: I am my lover/I weight half when he’s gone. Wenn er weg ist, fehlt mir die Hälfte, gleichzeitig bin ich aber auch nicht mehr so belastet. Einfach sagen, was ist, wertfrei, darum geht es in den Texten.

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