MUSIK

Chris Jagger: Risiko des Ruhms

Portrait Chris Jagger
Foto: Barry Lewis

An einer Tatsache kommt kein Text über Chris Jagger vorbei: Er ist der jüngere Bruder von Mick. Das weiß er selbst nur zu gut, schließlich hat er seinem Debüt schon 1973 den Tiel „You know the Name but not the Face“ verpasst – und das noch, bevor abzusehen gewesen ist, welche Rolle die Musikgeschichte für die Stones auserkoren hatte. Sein musikalisches Output aber geht weit über ein Kuriosum für Classic-Rock-Nerds hinaus. Denn – wie Jagger sich selbst in seiner Autobiografie „Talking to myself“ erinnert – die beiden Brüder teilen sich die musikalischen Vorbilder ihrer Jugend: Howlin’ Wolf und Jimmy Reed etwa. Nur dass dieser klassische Bluesrock in der Musik von Chris gleichberechtigt mit Versatzstücken aus Cajun Folk und Zydeco auftaucht, was seinen barlaunigen Gassenhauern eine joviale Leichtigkeit verleiht.

Überhaupt ist sein neuestes Werk „Mixing up the Medicine“ (ebenfalls vermeintlich zufällig nach einer Zeile aus Bob Dylans „Subterranean homesick Blues“ benannt) für ein Album, das zeitgleich mit einer Autobiografie erscheint, erstaunlich zurückgelehnt. Vermutlich nicht zuletzt, weil Jagger durch den ständigen Abgleich mit Bruder Mick früher oder später lernen musste, sich von Erwartungshaltungen nicht beirren zu lassen. „Sobald ich das altehrwürdige Alter von 40 Jahren erreicht hatte, schien sich auch meine Einstellung zu ändern“, sagt der heute 73-Jährige. „Ich entschloss mich, nur noch zu tun, was ich selbst wollte, und mich nicht mehr darum zu kümmern, was andere darüber denken könnten.“ So ist die wohl beste Qualität von Jaggers Spätwerk die Ungezwungenheit, der Verzicht auf die große Geste: Chris Jagger stellt nicht sich selbst ins Zentrum dieser zehn Songs, sie haben vielmehr – sorry, aber an dem Vergleich kommen wir hier nicht vorbei – die Aura einer Garagenband, die den Stones schon vor Jahrzehnten verloren gegangen ist.

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