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Film

Phoenix und andere: Filme von Christian Petzold bei Arte

Der beste deutsche Regisseur? Klar, Christian Petzold. Bei Arte und in der Mediathek läuft jetzt eine Reihe mit seinen großartigen Filmen.

Phoenix und Die innere Sichehreirt von Christian Petzold laufen bei Arte.
Johnny (Ronald Zehrfeld) verändert Nellys (Nina Hoss) Erscheinungsbild: Als Vorbild dienen ihm die Erinnerungen an seine totgeglaubte Frau. (Schramm Film/Christian Schulz Foto: ZDF)

Kurz gesagt

Arte zeigt in der Mediathek und im TV viele Filme des deutschen Regisseurs Christian Petzold, der reduziert und ausgefeilt Genres wie Film Noir, Melodrama oder Thriller wie kein anderer mit Arthouse verbindet. Zu sehen sind unter anderem „Yella“, „Transit“, und „Phoenix“.

Arte schreibt über seine Filmreihe treffend: „Christian Petzold zählt zu den bedeutendsten Regisseuren des zeitgenössischen deutschen Kinos und ist ein zentraler Vertreter der sogenannten Berliner Schule, die sich durch reduzierte Erzählweise, psychologische Tiefe und eine kritische Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und Gegenwart auszeichnet. Petzolds Filme sind dabei geprägt von einer Verbindung aus Genre-Elementen und Arthouse-Ästhetik. Er nutzt klassische Genres wie Film Noir, Melodram oder Thriller, um komplexe Themen wie Identität, Erinnerung, Flucht und gesellschaftliche Entfremdung zu verhandeln.“

Wir stimmen dem vollumfänglich zu und ergänzen: Petzold ist für uns der beste deutsche Regisseur der letzten 25 Jahre. Vor allem seine Werke, die er zusammen mit seinem Hochschullehrer Harun Faroki  als Berater und Co-Autor bis zu dessem Tod 2014 schuf (letzter gemeinsamer Film war „Phoenix“) suchen auch international in ihrer erzählerischen und bildlichen Ökonomie und der oben erwähnten Verbindung aus Genrekino und Arthouse ihresgleichen.

„Phoenix“ läuft am 26. August um 20.15 Uhr bei Arte, „Die innere Sicherheit“ direkt danach um 21.45 Uhr. Beide Filme sind bis 7. Nobember in der Arte-Mediathek zu finden.

In „Phoenix“, ihrer fünften Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Petzold, spielt Nina Hoss die Auschwitz-Überlebende Nelly, die im Juni 1945 mit entstelltem Gesicht in ihre Heimat zurückkehrt – nach einer erfolgreichen Gesichtsoperation macht sie sich auf die Suche nach ihrem Mann Johnny, der sie verraten hat. Er erkennt sie nicht und macht ihr einen fatalen Vorschlag: Nelly soll sich als seine totgeglaubte Frau ausgeben, um an das Erbe ihrer Familie zu kommen. Getrieben von der Hoffnung auf einen Neubeginn lässt sie sich darauf ein – doch ist es möglich, wie der titelgebende mythische Vogel aus der eigenen Asche aufzuerstehen, aus dem, was nach Jahren des Leidens noch übrig ist? Nach den erlebten Gräueltaten wieder der Mensch zu werden, der man vorher war? Die Story könnte unwahrscheinlicher nicht sein, doch ist Petzolds dunkle Parabel trotz ihres gewichtigen Unterbaus vor allem Kino. Eine ab- und hintergründige Variante des Humphrey-Bogart-Films „Die schwarze Natter“, die der Ikonografie des Film noirs näher ist als dem Realismusanspruch hiesiger Geschichtsfilme; das nächtliche Nachkriegsberlin ist in blutrotes Licht gehüllt, in verwinkelten Gassen werfen zwielichtige Gestalten ihre Schatten auf den Asphalt – und ein geladener Revolver weist den Weg zum höchst ambivalenten Ende. sb

Getarnt als Touristen lebt die Familie seit 15 Jahren an der portugiesischen Atlantikküste im Untergrund: Jeanne (Julia Hummer), Clara (Barbara Auer) und Hans (Richy Müller, v.l.).  © Schramm Film/ Gordon A. Timpen Foto: ZDF

Auch Volker Schlöndorff hat sich in seiner Terroristen-Geschichte „Die Stille nach dem Schuss“ mit dem Weiterleben der RAF-Aussteiger beschäftigt. Zweifellos aber ist Christian Petzolds „Die innere Sicherheit“ der ergreifendere Film. 15 Jahre lebt das Ehepaar Clara (Barbara Auer) und Hans (Richy Müller) schon im Untergrund; dann fliegt die Tarnung in Portugal auf, und wieder sind sie auf der Flucht. Doch Petzold interessiert in seinem Kinodebüt weniger die Vergangenheit denn die Frage nach Schuld und Sühne. Er liefert weder platte Politstory noch Actionthriller, sondern stellt die junge Tochter des Terroristenpaares ins Zentrum seines Interesses. Sie hat nie eine Schule besucht, nie Freunde haben dürfen. Zu ständigem Misstrauen und Schutzlügen erzogen, zerbricht die15jährige Jeanne (eindringlich und überzeugend: Julia Hummer) unter diesen Lebensumständen, als ihr das Naheliegendeste passiert: Sie verliebt sich. Das alles wird in ruhigem, fast eisigen Bildern erzählt. Je mehr sich das Drama ausweglos zuspitzt, desto mehr schnürt es auch dem Zuschauer die Kehle zu. Ein überaus bewegender Film. ascho

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