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Film

Oliver Masucci über Adams Acht: „Jeder Mensch verdient eine zweite Chance!“

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Oliver Masucci (Mitte) spielt in „Adams Acht“ den Lehrer Karl Adam. (Foto: Majestic/Mathias Bothor)

Oliver, deine Figuren der vergangenen Jahre sind häufig sehr widersprüchlich. Was reizt dich daran besonders?

Oliver Masucci: Was ich in der Schauspielerei bemerkt habe, ist, dass das Gegenteil auch immer funktioniert. Wir sind nicht das, was wir vorgeben zu sein. Wir sind viel mehr als das. Gerade die Gegensätze sind interessant. Wenn wir im Kino sitzen, erkennen wir uns in den Figuren wieder: Die eine sagt das Eine und macht dann etwas ganz Anderes. Deswegen muss man eine Figur eigentlich immer gegensätzlich spielen und schauen, an welchen Stellen sie sich widerspricht.

Das gilt auch für Karl Adam. Kanntest du ihn und seine Geschichte vorher?

Masucci: Nein, gar nicht. Mich hat aber von Anfang an die Nachkriegszeit interessiert. Wie konnte aus einem Land voller Nazis, Ex-Nazis, Kollaborateuren und Mitläufern eine Demokratie entstehen? Karl Adam hatte als ehemaliger NS-Mitläufer und Napola-Lehrer Schuld auf sich geladen. Aber unser Rechtssystem basiert auf dem Prinzip der Vergebung: Jeder Mensch verdient eine zweite Chance. Karl Adam hat seine genutzt. Er hat im demokratischen Sinne den selbstbestimmten Sportler erfunden und das Rudern komplett neu entwickelt.

Im Film muss Karl Adam sich dieser Vergangenheit auch stellen. Warum war dir das wichtig?

Masucci: Wir haben einen Helden, der sich aber schuldig gemacht hat. Und das muss er auch sagen. Die Zeitzeugen haben mir bestätigt, dass seine Vergangenheit tatsächlich Thema war, gerade im Umgang mit den Ruderern aus dem Osten. Diese Themen wurden verhandelt. Und deswegen konnte ich das glaubhaft spielen: weil er tatsächlich darüber gesprochen hat und nicht wie viele andere einfach nur geschwiegen.

Was ist für dich das eigentlich Berührende an dieser Geschichte?

Masucci: Das Berührende ist ja nicht, dass da jemand Olympiasieger wird. Das Berührende ist: unter welchen Umständen? Das sind Leute, an die keiner geglaubt hat. Sie mussten sich ein Boot klauen, hatten kein Trikot und waren politisch vollkommen unterschiedlicher Meinung. Und trotzdem haben sie es geschafft, gemeinsam ein Ziel zu erreichen.

Darin steckt auch ein sehr aktueller Gedanke: der Sport als Gegenmodell zur politischen Spaltung.

Masucci: Absolut. Der Sport steht über der Politik. Dinge, die die Politik nicht kann, können der Sport, die Kunst und die Kultur.

Und genau da liegt vielleicht auch die Verbindung zu unserer Gegenwart.

Masucci: Heute sind wir Trüppchen und Grüppchen, die sich gegenseitig wegdrängen und meinen, sie hätten die Moral für sich gepachtet. Ausgrenzen ist ein faschistisches Prinzip. Das Schlimme ist, dass wir das aktuell gerade wieder tun. Damals waren Menschen politisch vollkommen unterschiedlich, aber sie hatten ein gemeinsames Ziel. Heute wollen wir nichts mehr gemeinsam erreichen. Deswegen erzähle ich diese Zeit so gerne: Wir müssen wissen, wo wir herkommen und wie unsere Demokratie entstanden ist.

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