MUSIK

Clueso: Das große Kribbeln

Portraitfoto Clueso, sitzend am Straßenrand
Foto: Christoph Koestlin

Clueso, „ALBUM“ mit Großbuchstaben. Wieso dieser fette und plakative Titel?

Clueso: Die Idee ist von Benjamin von Stuckrad-Barre. Bei einem langen Spaziergang meinte er zu mir: „Nenn’ die Platte doch einfach „ALBUM“. Nachdem ich über ein Jahr lang nur Singles rausgehauen hatte, die ja auch auf dem Album drauf sind, hat sich eine sehr hohe Hitdichte ergeben. „ALBUM“ ist fast wie ein Best-of. Oder sagen wir: wie ein Arthouse-Blockbuster.

Hat das Album als solches denn noch seine Berechtigung?

Clueso: Klar, ich halte daran fest. Selbst immer mehr junge Künstler:innen erkennen die Schönheit dieses Formats. Nehmen wir als Beispiel doch nur mal Billie Eilish mit ihrem langen Album „Happier than ever“.

Deine vorherige Platte „Handgepäck I“ war eine sehr reduzierte, akustische Angelegenheit. Jetzt versammelst du hier einen flotten Sommerhit nach dem anderen. Was steckt hinter diesem krassen Umschwung?

Clueso: Durch die Pandemie haben wir alle eine extreme Sehnsucht nach Energie und Leben. Auch mir ist es so gegangen. Ich wollte, dass es groovt. So wie hier habe ich Clueso selbst noch nie gehört. Und obwohl ich in Wien, Hamburg und Berlin mit unterschiedlichen Produzenten gearbeitet habe, finde ich, dass sich alles superhomogen anhört. Ein „ALBUM“ wie aus einem Guss. (lacht)

Hast du deine Energiesehnsucht schon gestillt?

Clueso: Ich wage mich langsam aus der Deckung. Im Sommer haben wir einige Konzerte gespielt, die total geil waren, und auch privat ziehe ich wieder los. Letztens war ich bis morgens um sechs Uhr auf der Party eines befreundeten DJs. Puh, was war das schön. Ich habe sogar den nächsten Tag genossen, als ich voll im Arsch war. Einfach, weil das ewig nicht mehr vorgekommen ist.

Was trinkst du auf Partys?

Clueso: Überhaupt kein Bier. Sehr gern Rotwein, und manchmal nippe ich am Whiskey. Aber am liebsten mag ich einen gepflegten Boulevardier. Ein richtiger Oldschool-Drink, ähnlich wie ein Negroni, herb und süffig.

Gibt es den auch im „Hotel California“? In dem Song erzählst du von geplatzten Träumen, von Hitze und von Kokain.

Clueso: Im „Hotel California“ gibt es alles. Auch sehr, sehr viel Leere. Das Lied ist inspiriert durch Beobachtungen aus 20 Jahren Showgeschäft. Ich verurteile das nicht, aber was da an Selbstzerstörung zu sehen ist, macht mich nachdenklich. Vor allem im HipHop wird gerade extrem viel konsumiert. Auch mir ist wirklich schon alles angeboten worden. Aber gebraucht habe ich das nie.

Auf „Willkommen zurück“ singt Andreas Bourani mit. Wo hast du den Kollegen denn aufgesammelt?

Clueso: Ich habe ihn einfach gefragt, und er fand den Song und dessen Aussage geil. Andreas hatte großen Erfolg, aber er sitzt halt länger vor einem weißen Blatt Papier als ich, und so hat er seit sieben Jahren nichts rausgebracht. Es geht ihm aber gut, er hat sich zurückgezogen und schreibt in der Nähe von Nizza. Nur schreibt er eben sehr langsam.

Die einzige Ballade auf „ALBUM“ heißt „Alles zu seiner Zeit“ und ist – wie du sagst – das erste Liebeslied, das gut ausgeht. Warum früher nie und warum jetzt endlich?

Clueso: Beides wird wohl seinen Grund haben. (lacht) Bei mir hat es halt mit der Liebe ein bisschen länger gedauert. Doch im Moment komme ich viel lieber an, als dass ich weggehe.

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