Danke für den schönen Abend von Gitta van Spree
Hat die Protagonistin aus Danke für den schönen Abend ihren Liebhaber in Paris erschossen? Nebensache, in dem Roman von Gitta van Spree geht es um wichtigere Fragen.

„Danke für den schönen Abend“ von Gitta van Spree ist unser Krimitipp der Woche
Für Alex Martin, die ihren Liebhaber in Paris erschossen in einem Hotelbett vorfindet, stellt sich erst gar nicht die Frage, war es Selbstmord, Mord, ein Unfall. Geradezu stoisch nimmt sie in Gitta van Sprees „Danke für den schönen Abend“ sein Ableben hin. Warum ist sie nach einer halben Stunde überhaupt in das Hotel zurückgekehrt, wo ihre Affäre doch friedlich beendet war? Ein literarisches Spiel mit der Ungewissheit beginnt, die so ganz anders aussieht als in einem Whodunit. Hier wird kein Verbrechen aufgeklärt, vielmehr nähern wir uns einem Geliebten an, den Alex gut zu kennen glaubte. Ihrem Geflecht aus Erinnerungen stehen lauter Mutmaßungen gegenüber. Sie wechselt von der Geliebten zur angeblichen Assistentin, erlebt absurde Momente wie jenen im Restaurant, wo der Kellner sie nicht zahlen lässt, weil der tote Liebhaber die Rechnung bereits übernommen hat. Da sie sein Handy mitgenommen hat, ist sie in der Lage, sich mit einer weiteren seiner Geliebten, die sie ersetzt hat, der Ehefrau und dem Vater in Verbindung zu treten.
Van Spree setzt ein schillerndes Mosaik eines Bigamisten, eines Schuldners, eines Verräters und Jongleurs seiner Wahrheiten zusammen. Alex Martin ist gekränkt, enttäuscht, ernüchtert, erhält mysteriöse Nachrichten auf seinem Handy. Wir wissen nicht, hat sie ihn umgebracht, hat jemand anders ihn umgebracht, weil er ein Verräter war, oder nahm er sich selbst das Leben, weil er sich in sich verfangen hatte. Völlig egal, Alex Martin hat wichtigere Dinge zu klären. Sie ist auf der Suche danach, wer sie in der Zeit mit ihm war.
Wer sich für „Danke für den schönen Abend“ von Gitta van Spree interessiert, sollte auch unsere Krimikritik zu „Totenfrau – Die Rückkehr“ von Bernhard Aichner lesen.
Literatur


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