MUSIK

Der beste Jazz aus Belgien

commander spoon: der beste jazz aus belgien
Foto: Yaquine CS

Commander Spoon

Das Schlagzeug treibt den Track vom ersten Takt an nach vorne, ein Saxofon folgt ihm auf dem Fuß und legt noch mal einen zusätzlichen Schuss Energie oben drauf – gleich setzt der Rap ein, oder? Fehlanzeige, aber der eklektische Jazz von Commander Spoon lässt einen das bald vergessen. Denn das Quartett aus Brüssel versatzstückt HipHop, Jazz, Rock und Elektronika so energiegeladen und virtuos, dass jeder*m Rapper*in eh zwangsläufig die Luft wegbleiben müsste.

Jede Menge Luft lassen Commando Spoon in ihrer Musik dagegen für tighte Grooves und catchy Hooks, mit denen sie auch jazzfremde Hörer*innen für sich gewinnen können. Pierre Spataro (Saxofon), Florent Jeunieaux (Gitarre), Fil Caporali (Bass) und Samy Wallens (Schlagzeug) nehmen zwar erst seit 2018 gemeinsam auf, doch haben sie es in der kurzen Zeit bereits auf drei EPs und einen Langspieler gebracht – und auf ihnen erweisen sie sich als so kreativ fruchtbar, aufregend und innovativ, wie die Belgische Jazzszene insgesamt.

Casimir Liberski

Ohne Frage – Casimir Liberski ist einer der Big Names des belgischen Jazz. Der 32-jährige Pianist etablierte sich bereits im Alter von 13 Jahren als Bandleader seines eigenen Trios und hat die damals bereits vielversprechenden Kompositionen sowie seinen ganz und gar eigenen Stil seither einfach weiter entwickelt. Apropos: Dabei haben dem in Brüssel geborenen Nachwuchsstar so illustre Größen wie Brad Mehldau, Danilo Perez und die Free-Jazz-Legende Ornette Coleman unter die Arme gegriffen.

Letzterer hat ihn insbesondere in Sachen freier Improvisation maßgeblich beeinflusst. Und genau so lässt sich Casimir Liberskis Jazz am ehesten beschreiben: Frei. Mal treibt es ihn in Richtung Progressive Rock und Jazzfusion, mal zeigt sich in seinen Klavierpassagen eine Spur von Neoklassik, und mal scheint seine tiefe Vertrautheit mit den Wurzeln des Jazz durch. Eins ist allerdings klar: Egal, was Casimir Liberski als nächstes macht, seine Musik weist nur in eine Richtung – nach vorne.

Eve Beuvens

Ihre Vorbilder sind so vielfältig wie sie selbst: Eve Beuvens verwebt in ihrer Musik kontrastierende Elemente zu einem harmonischen Ganzen und wirft dabei Versatzstücke von Legenden wie Herbie Hancock, Thelonious Monk – oder Dolly Parton – durcheinander. Nachdem die Belgierin ihre ersten Schritte am Kontrabass getätigt hat, ist sie schnell ans Klavier gewechselt und hat am Konservatorium in Brüssel bei Größen wie Diederik Wissels, John Ruocco, Kris Defoort, Garrett List und John Taylor gelernt. Seither erkundet sie mit einem Trio, einem Quartett und dem Heptatomic Septet ihren eigene Jazzspielart.

Manuel Hermia

Er ist der belgische Ambassador of Jazz: Der in Liège geborene Saxofonist Manuel Hermia vermag es, den klassischen Jazz seiner Vorbilder – vom Hard Bop der 50er- und 60er-Jahre bis hin zu Free Jazz – mühelos mit anderen Musiktraditionen zu verbinden. So vielfältig, wie sein eigener Stil und seine Einflüsse sind, gestalten sich auch seine diversen Projekte. Am berühmtesten darunter: Die Jazzfusion-Band Slang mit Michel Seba (Schlagzeug) und François Carnyn (Bass), mit der Hermia regelmäßig Streifzüge durch die globale Musikszene unternimmt.

Lubiana

Ein Hauch von Schicksal schwingt in der Geschichte von Lubiana mit: Zunächst hat sie sich an allen nur erdenklichen Instrumenten versucht, ehe sie auf Mallorca einen Straßenmusiker eine Kora spielen gehört hat – eine westafrikanische Stegharfe, die traditionell eigentlich nur von Männern gespielt wird. Der malische Kora-Virtuose Toumani Diabaté hat sie später darin bestärkt, sich des Instruments dennoch anzunehmen. Mittlerweile hat Lubiana ihr Instrument ebenso sehr gemeistert wie ihren eigenständigen, zeitgenössischen Jazzpop-Entwurf, in den die Klänge der Kora sich so perfekt einfügen, als wären sie füreinander bestimmt.