„Der Film“ von Kristín Eiríksdóttir
„Der Film“ von Kristín Eiríksdóttir ist nicht nur eine schonungslos erzählte Geschichte, sondern auch eine Abrechnung mit dem Erzählen selbst.
„Der Film“ von Kristín Eiríksdóttir ist unsere Buchempfehlung der Woche
Wenn fiktive Figuren das Erlebte ihrerseits in ein Buch oder einen Film verwandeln, markiert das oft das Ende einer Geschichte: Alles ist verarbeitet und hat sich am Ende, trotz allem, gelohnt. Doch für Villa ist es nicht so einfach, ihrer Vergangenheit zu entkommen. Zwar sitzt sie auf der Festivalbühne, um die Dokumentation über ihren Jugendfreund, den drogenabhängigen, tragisch verstorbenen Walfänger Dimmi, vorzustellen. Doch als sie gefragt wird, warum sie Dimmis Frauenhass und Arbeit als Zuhälter ausgespart hat, bricht alles zusammen – nicht zum ersten Mal. Denn auch Villa blickt auf ein Leben voller Schmerzen und Traumata zurück, auf Vergewaltigungen, Alkoholismus und einen Sohn, dessen Vater sie nicht kannte.
Dass Kristín Eiríksdóttirs Roman nicht zu einer Litanei aus tragischen Wendungen gerät, hat erst mal strukturelle Gründe: Durch einen anachronistischen Aufbau und wechselnde Erzähler:innen werden wir zum Mitdenken angeregt. Zugleich erlaubt es dieser Kunstgriff der Autorin, thematische Verbindungen zu ziehen und in ihren Figuren immer noch weitere Abgründe aufzureißen. Eine schonungslos erzählte Geschichte – und eine Abrechnung mit dem Erzählen selbst.
Hat es Kristín Eiríksdóttir mit „Der Film“ auf unsere Liste der besten Bücher im April 2026 geschafft?