„Der Magier im Kreml“: Jude Law ist Wladimir Putin
Der Politthriller „Der Magier im Kreml“ startet in den Kinos. Wirklich? Politthriller? Dafür wird in diesem Film verdammt viel – zu viel – erklärt, meint Volker Sievert.
Der Film braucht zu viel Text und ist zu vollgestopft mit Informationen, besser wäre bei diesem Drehbuch eine achtteilige Miniserie gewesen, um einem Politthriller im Kreml gerecht zu werden. Volker Sievert hat sich „Der Magier im Kreml“ mit Jude Law als Wladimir Putin ernüchtert angeschaut.
Wenn man in viel zu wenig Zeit viel zu viel erzählen will, dann kommt in der Regel ein Film dabei heraus wie dieses erste englischsprachige Werk des französischen Autorenfilmers Olivier Assayas („Die Wolken von Sils Maria“, „Personal Shopper“) nach dem gleichnamigen Roman des Ex-Politikberaters- und wissenschaftlers Giuliano da Empoli. Assayas erzählt die Geschichte von Wladimir Putins früherem Chefberater Wladislaw Surkow, hier fiktionalisiert als Wadim Baranow. Doch das hätte der Regisseur besser in einer achtteiligen Miniserie gemacht – denn so sind seine Figuren dazu gezwungen, nonstop zu reden, um den Inhalt zu schaffen: von Surkows Anfängen über Putins Jelzin-Nebenmann- und Nachfolgertum, seinem Griff nach der absoluten Macht, die Entstehung des Putinismus, den Untergang der „Kursk“, den zweiten Tschetschenienkrieg, die Maidan-Proteste, die Internet-Trollfabriken und die Annexion der Krim 2014. Damit all das Gerede, eingebunden in eine Rahmenhandlung, in der der pensionierte Surkow/Baranow einen US-Journalisten trifft, reicht, um den Stoff zu bewältigen, sprechen die Figuren in raffenden Sinnsprüchen und Aphorismen („In Amerika ist Macht dies und das, in Russland ist Macht das und dies“). Da auch das nicht genügt, souffliert die Hauptfigur dazu auch noch in einem ermüdenden Offkommentar.
„Der Magier im Kreml“: Strippenzieher bleibt blass
Und die Schauspieler? Gut, wenn Jude Law – der auch schon den Papst spielte! – als Putin nach einer Stunden den Film betritt, gibt es zumindest so etwas wie filmische Sequenzen und nicht nur szenische Zusammenfassungen von verbal Erklärtem. Law („The third Day“) macht das ganz gut, während Paul Dano („The Fabelmans“) als Surkow/Baranow im immer gleichen Sprechsingsang agiert, dass man meint, er sei in Trance, und Alicia Vikander (Nebenrollenoscar für „The Danish Girl“) als seine fiktive große Liebe Ksenia eine Art Nicht-Figur spielen muss. Am Schluss, nach 145 langen Minuten, hat man gefühlt 250 verschiedene Spielorte gesehen und ungefähr 500 000 Wörter gehört. Aber man weiß nichts über Surkow/Baranow, der mit seinen Orchestrierungen hinter den Kulissen wohl als einer der gefährlichsten Männer der Welt nach Ende des Kalten Krieges gelten muss. Gerade deswegen hätte diese historische Figur einen besseren Film gebraucht.