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Die besten Krimis 2024: Empfehlungen für den Mai

Die besten Krimis im Mai 2024: Buchcover von Chris Hadfield, Daria Shualy, Sybille Ruge, Pascal Garnier, Aslak Nore und Elmore Leonard

Der Wonnemonat wird blutig: Die besten Krimis im Mai 2024 mit Aslak Nore, Sybille Ruge und Susanne Tägder.

Stürmt die Krimipreisträgerin Sybille Ruge nun auch unsere Liste der besten Krimis im Mai 2024? Nach „Davenport 160 x 90“ legt sie mit „9mm Cut“ nach. Oder steht am Ende gar Elmore Leonard an der Spitze unserer Liste der besten Krimis im Mai 2024 – und das ausgerechnet mit einem seiner frühen Westernromane? Pascal Garnier setzt mit „An der A26“ auf die Tristesse der nordfranzösischen Region Pas-de-Calais, während Chris Hadfield in die Luft geht, um auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2024 zu landen: Ein NASA-Flugleiter und US-Testflieger muss in „The Defector – Die Jagd beginnt“ mit einem sowjetischen Kampfpiloten kooperieren.

Gute Chancen auf den Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2024 hat auch der norwegische Newcomer Aslak Nore: Gleich zu Beginn seiner Falck-Saga liefert er mit „Meeresfriedhof“ en nötigen Tiefgang. Susanne Tägder hält mit einem Fall dagegen, der im vermeintlich muckeligen Mecklenburg der Wendejahre spielt: Mit „Das Schweigen des Wassers“ ist auch sie eine Favoritin für unsere Liste der besten Krimis im Mai 2024. Und schließlich ist da noch Daria Shualy, die auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2024 für eine Überraschung gut ist: Mit „Lockvogel“ mischt sie mal eben die israelische Kriminalliteratur auf.

Die besten Krimis im Mai 2024

7. Emore Leonard: Letztes Gefecht am Saber River

Die besten Krimis im Mai 2024: Buchcover „Letztes Gefecht am Saber River“ von Elmore Leonard
Version 1.0.0

„Ich bin derjenige mit der Waffe im Anschlag.“ „Und sobald Sie den Abzug drücken, wird Austin Sie mit einer Kugel durchbohren.“ „Wenn er dann noch lebt.“ Als Paul Cable seinen Karabiner gegen die Dodds-Brüder richtet, droht die Luft bleihaltig zu werden. Der ehemalige Südstaatensoldat kehrt 1865 nach Arizona zurück und kämpft dort um Land und Leben. Wer bislang nur Elmore Leonards Kriminalromane kennt, sollte jetzt einen seiner frühen Westernromane aus dem Jahr 1959 entdecken. Jeder Satz ein Treffer und Gunsmoke bis zur letzten Patrone …

Liebeskind, 2024, 256 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Florian Grimm

6. Chris Hadfield: The Defector – Die Jagd beginnt

Buchcover „The Defector – Die Jagd beginnt“ von Chris HadfieldMenschen in schnellen Flugmaschinen: Der ehemalige Astronaut Chris Hadfield setzt die Lesenden in seinen Technothrillern höchst unterhaltsam auf den Schleudersitz und katapultiert sie in atemberaubende Plots. Diesmal muss NASA-Flugleiter und US-Testflieger Kaz Zemeckis mit einem sowjetischen Kampfpiloten kooperieren, der während des Jom-Kippur-Krieges mit seiner MiG-25 desertiert ist. Auf einem Testgelände kommt es jedoch zu einem High-Risk-Duell mit dem vermeintlichen Überläufer …

dtv, 2024, 480 S., 25 Euro

Aus d. Engl. v. Charlotte Lungstrass-Kapfer

5. Pascal Garnier: An der A26

Buchcover „An der A26“ von Pascal GarnierMenschen in trostloser Landschaft: Pascal Garnier setzt die Lesenden in der vertrakten Tristesse der nordfranzösischen Region Pas-de-Calais aus. Nahe einer Autobahnbaustelle hat Yolande seit Jahrzehnten das Haus nicht verlassen. Seitdem sie als „Deutschenflittchen“ abgestempelt wurde, nimmt sie die Außenwelt nur durch ein Guckloch wahr. Ihr Bruder Bernard kann seine tödliche Krankheit nicht aufhalten. Zeit, endlich mit der Vergangenheit abzurechnen, anderen die Zukunft zu nehmen und Frauenleichen in Baugruben verschwinden zu lassen.

Septime, 2024, 120 S., 19 Euro

Aus d. Franz. v. Felix Mayer

4. Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers

Die besten Krimis im Mai 2024: Buchcover „Das Schweigen des Wassers“ von Susanne TägderDas vermeintlich muckelige Mecklenburg der Wendejahre ist wie geschaffen für Mordgeschichten, die uns mit landestypischen Vertuschungstaktiken hinter die Fichte führen. Nicht nur durch Küstennebel und den provinziellen Zweitaktermief lässt sich im Schatten der ehemaligen Grenze zum Klassenfeind allerlei verschleiern. Auch alte Kader decken ihren dicken Funktionärs-Filz über Verbrechen, um sie im chaotisch verlaufenden Aufbau Ost mitsamt dem Realsozialismus abzuwickeln. Inspiriert von einem wahren Fall nutzt Susanne Tägder in ihrem Krimidebüt dieses Potenzial für eine raffiniert erzählte Mördersuche in einer Zeit, die von Hoch- und Missmut geprägt ist. Eher mürrisch folgt Hauptkommissar Arno Groth im Herbst 1991 dem aufgebrummten Dienststellenwechsel von Hamburg in seine alte Heimat Wechtershagen. Nun doziert er als „Pionier der Einheit“ vor ehemaligen Vopos über Vernehmungstaktiken, um sie auf West-Niveau zu hieven.

Groth trifft auf den ebenfalls zwangsversetzten Kommissar Gerstacker, der aus Rostock in die Provinz beordert wurde. Zusammen ermitteln sie im dubiosen Todesfall des Bootsverleihers Eck. Der soll vor zehn Jahren die Tochter eines Polizisten vergewaltigt und mit der Kordel ihres Parkas erdrosselt haben. Nun liegt er ertrunken im See. Unfall, Selbstmord oder eine späte Rache? Wo Groth seiner Intuition folgt, punktet Gerstacker mit Detailkenntnis. Ecks Geständnis wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf die damaligen Verhörmethoden, sondern lenkt den Spot auch auf jemanden, der an seiner Macht klebt. Ohne mit Ostalgie oder Regio-Klischees zu verklären, setzt Tägder gekonnt Münzfernsprecher und Mitropa-Gaststätten zur Spannungssteigerung ein – und weist der Presse unmissverständlich ihre Stellung als vierte Macht zu.

Tropen, 2024, 336 S., 17 Euro

TOP 3

3. Sybille Ruge: 9mm Cut

Buchcover „9mm Cut“ von Sybille RugeNull Böcke auf die Schweiz, aber als Mitarbeiterin für besondere Fälle kann man sich den Zielort einer Dienstreise nicht aussuchen. Wie auch den Decknamen „Eve Klein“, den ihr K2 im Auftrag von Mäzen Wellinghofen gibt. Es gilt, der Stiftung „Interni“ sowie dessen Vorstand Max Karnofsky mal etwas auf die manikürten Finger zu schauen – und nebenbei ein bisschen Kleingeld auf dem Kunstmarkt zu waschen. Also fliegt Eve mit einer Ferrero-Rocher-Schachtel voller violetter Franken und dem Tripper von Freund Ricky nach Zürich. Hier schlagen ihr nicht nur der Föhn sowie eine Poesie aus Sichtbeton entgegen, sondern auch der Saus und Braus bei Karnofsky zuhaus.

In seinem Anwesen am See trifft Eve auf dessen scheinheilige Gattin Helena, die gaga Zwillinge Laura und Lara als auch eine Au-pair-Mädchen in feschen Hotpants, das sich fühlt wie im Gulag. Während der Mähroboter für den akkuraten 9mm Cut sorgt, werden hinterrücks Bilanzen geschönt, Gelder verschoben und ein abgetrennter Kopf in ein Säckli gesteckt. Doch Eve bleibt cool wie Milka-Mint, sie verwirrt mit Alliterationen und wendet bei Gefahr den Fledermausgriff an. Sybille Ruge führt lakonisch die Allüren der Reichen und Schönen vor. Gekonnt spielt sie mit intelligentem Sprachwitz, der so vielseitig und scharf ist wie ein Schweizer Sackmesser.

Suhrkamp, 2024, 230 S., 17 Euro

2. Daria Shualy: Lockvogel

Buchcover „Lockvogel“ von Daria Shualy35 Grad im Schatten, 82 Prozent Luftfeuchtigkeit und maximal 30 Minuten bis zum nächsten Raketenalarm. Im Juli ist Tel Aviv noch stressiger als sonst. Privatdetektivin Masi Morris kennt das Leben nur als permanenten Ausnahmezustand und lässt sich durch die Geschosse aus Gaza und der alltäglichen Hast zum nächsten Luftschutzbunker nicht beirren. Gerade noch mit blonder Perücke beim One-Night-Stand, setzt sie die Ray-Ban auf, steckt die Pistole in die Jeans und flitzt mit ihrem Motorrad durch die Stadt. Früher war sie bei einer Sonderermittlungseinheit, jetzt soll sie für ihren Jugendfreund Dudi dessen verschwundene Ehefrau suchen, die zur einflussreichen Schechter-Familie gehört. Da hilft, dass sie von ihrer 20-jährigen Schwester Tilly und Computernerd Benji mit seinem Parabolmikrofon unterstützt wird. Denn Masi wird nicht nur von dem Feigenpappel-Matsch auf den Straßen gebremst, sondern auch durch ein familiäres Geflecht aus Intrigen, sexueller Ausbeutung und Korruption. In den Gassen von Tel Aviv sollte man – nicht nur aus archäologischer Vorsicht – eben niemals allzu tief im Dreck graben. Masi braucht so manche kalte Dusche und viele Chili-Kebabs, um einen klaren Kopf zu bewahren. Sie ist einem Skandal auf der Spur, deren Offenlegung wie eine unangekündigte Rakete einschlagen wird …

Das Debüt von Daria Shualy mischt mit einer erfrischenden Leichtigkeit die israelische Kriminalliteratur auf. Auch wenn die häufig auf die Jerusalem-Romane von Batya Gur reduzieret wird, hat sich Israel-Crime längst deutlich facettenreicher etabliert. Shualy setzt uns in ihrem Neo-Noir eine israelische Detektivin der nächsten Generation vor: Masi ist eine verdammt coole Socke, die unerschrocken handelt und nicht nur in ihren Kung-Fu-Schuhen mehr Schneid als mancher Macho hat. Shualy wählt eine arabisch-stämmige Mizrachim als Protagonistin, die sich dagegen wehrt, dass ihre gesellschaftliche Position über ihr Geschlecht oder ihre Wurzeln definiert wird. In einer Bevölkerung, deren Hierarchie durch den Grad der Religiosität und die ethnische Identifikation festgelegt ist, keine Selbstverständlichkeit. „Lockvogel“ ist überzuckert wie ein Honigkuchen – und zugleich aber ein süchtig machender Leckerbissen!

Kein & Aber, 2024, 432 S., 18,99 Euro

Aus d. Hebr. v. Ruth Achlama

1. Aslak Nore: Meeresfriedhof

Die besten Krimis im Mai 2024: Buchcover „Meeresfriedhof“ von Aslak NoreOftmals sind es Zufälle, die über Leben und Tod entscheiden. Doch manchmal kann man dem Glück etwas nachhelfen, um den weiteren Weg für sich oder andere zu ebnen. Gerade in extremen Situationen schubst eine intuitive Handlung das Schicksal in eine andere Bahn – ohne dass man in diesem Moment die Folgen bedenken kann. Der norwegische Autor Aslak Nore baut aus diesen Gedanken seine spannende Falck-Saga, mit deren Erzählfäden er über mehrere Zeitebenen und Generationen hinweg souverän spielt. Ausgehend vom Zweiten Weltkrieg spannt Nore die Auswirkungen eines Familiendramas über die Konfliktherde des Kalten Krieges bis hin zur Gegenwart und den aktuellen politischen Entwicklungen.

Im Oktober 1940 wird ein norwegisches Hurtigrutenschiff von einer englischen Mine getroffen. Hunderte Menschen kommen ums Leben, unter ihnen ist auch der Unternehmer und Reeder Thor Falck. Seine Frau, die junge Schriftstellerin Vera Falck, kann sich und ihren kleinen Sohn Olav gerade noch retten, als das Schiff sinkt. 75 Jahre später begeht Vera Selbstmord, doch ihr Testament ist nicht auffindbar: eine Katastrophe für die einflussreiche wie wohlhabende Familie. Ihr Sohn Olav – mittlerweile Vorsitzender der einflussreichen SAGA-Stiftung – bangt um sein Milliardenerbe. Seine Mutter könnte wohlmöglich kurz vor ihrem Freitod den verarmten Zweig der Familie bedacht haben, der aus Thor Falcks erster Ehe stammt. Zudem bleiben Veras Memoiren unter Verschluss, die sie über die Schiffskatastrophe geschrieben hat. Diese wurden in den 1970er-Jahren noch vor Veröffentlichung vom Staatsschutz beschlagnahmt: Welch brisante Information soll hier im Dunkeln gehalten werden? Olavs Tochter Sasha begibt sich auf die Suche nach dem Manuskript. Mithilfe des windigen Johnny Berg versucht sie somit, die Vergangenheit ihrer Familie zu ergründen – wenngleich sie sich auch gegen ihren mächtigen Vater stellen muss. Eine riskante Untersuchung des Schiffswracks in 300 Meter Tiefe könnte Klarheit über die noch immer ungeklärten Geschehnisse bringen – oder neue Erkenntnisse zu Tage fördern, die nicht nur Sasha in Gefahr bringen …

Der 1978 in Oslo geborene Aslak Nore hat als Elite-Soldat in Bosnien gekämpft und war Journalist im Nahen Osten. Vor diesem Hintergrund gelingen ihm authentische Episoden, mit denen er weitere Familienmitglieder in die Handlung integriert: Hans Falck, der als Doktor in den frühen 1980er Jahren in einem Flüchtlingscamp im Libanon arbeitet und Leben rettet. Sverre Falck, deren traumatische Erlebnisse in Afghanistan sie spürbar verfolgen. Zwar ist Nores literarisches Thrillerepos über Täuschung und Wahrheitssuche so verwinkelt wie eine Fjordküste. Doch wer in die herrlich intrigante und opulent gezeichnete Welt der Falcks abtaucht, wird mit einem außergewöhnlich intensiven Lesevergnügen belohnt.

Kiepenheuer & Witsch, 2024, 544 S., 18 Euro

Aus d. Norweg. v. Dagmar Lendt

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