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„Die große Hitze“ von Denise Mina

Buchcover „Die große Hitze“ von Denise Mina

Mit „Die große Hitze“ holt Denise Mina den legendären Hardboiled Detective Philipp Marlowe zurück an die Bar.

„Die große Hitze“ von Denise Mina ist unser Krimitipp der Woche

Normalerweise trinke ich nicht morgens um halb elf im Büro. Wenn jedoch ein neuer Philipp-Marlowe-Roman herein­flattert, lege ich die Füße auf die Schreibtischplatte und angle mir die Flasche „Writer’s Tears“ aus der untersten Schublade. Wie sonst sollte sich Hardboiled Heuner für diese besondere Lektüre stilecht in Lese­position bringen? Okay – richtiger wäre diesmal wohl eher schottischer Whisky statt irischer – schließlich stammt die Autorin Denis Mina ja aus Glasgow. Sie reiht sich als erste Frau in die namhafte Autorenriege, die nach Chandler den legendären Hard­boiled Detective wiederbelebt. Das freut auch Übersetzerin und Heraus­geberin Else Laudan, die den charakteristischen Sound mit den unverwechselbaren Metaphern für Mina gekonnt ins Deutsche überträgt.

Also sind wir zurück im Los Angeles der ausklingenden 1930er Jahre: Trotz der Hitzewelle hat Eigenbrötler Marlowe selten eine trockene Kehle und immer einen lockeren Spruch auf der losen Zunge. Respektlos gegenüber Autoritäten steht er auf der Seite der Underdogs und stolpert immer wieder über Leichen und schöne Frauen. Für vierzig Dollar am Tag plus Spesen wirft sich der Privat­schnüffler in seinen Billiganzug, um Baby Maude ihren Pasco Pete wieder­zubringen. Doch die Suche ist bald vom Tisch, denn hinter der erstbesten Müllecke knabbern schon die Ratten an Pasco Petes Resten. Da kontaktieren Marlowe auch schon die feinen Montgomerys, um ihre durchgebrannte Tochter Chrissie aufzuspüren … Wer sich gerne zwischen Plotlinien treiben lässt und wen ein sich schnell drehendes Personenkarusell nicht verwirrt, der kann auf Denis Mina vertrauen: Mit ihrer anspielungsreichen und gut recherchierten Chandler-Pastiche hält sie souverän den Rhythmus zwischen Pulp und Prosa. Wenn Mina etwa mit dem schwulen Jimmy the One eine historische Figuren anverwandelt, oder aus dem Chandler-Kosmos Empfangsdame Mabel und Polizistentochter Anne Riordan aufgreift, sind das gelungene Referenzen an das Original. Klar, in Bezug auf geschlechtsgerechtes Verhalten und responsibly drinking ist es nicht vorbildhaft, wenn man Marlowe in den dunklen Schlund einer räudigen Kellerbar folgt, in der Trinken als religiöse Praxis zelebriert wird … Muss ich den Jungs von erzählen, dass Marlowe wieder da ist. Die treff ich gleich zum täglichen Sundowner an der Bar im Keller …

Mit „Die große Hitze“ hat es Denise Mina auf unsere Liste der besten Krimis im Mai 2026 geschafft.

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