„Dream Life“ von Marta del Grandi: Unbeschwert anspruchsvoll
Auf ihrem zweiten Album klingt Marta del Grandi weniger verkopft als zuvor – ohne die Tiefe zu opfern.

Es ist ein Klischee, Italiener:innen ein leidenschaftliches Temperament zu unterstellen – immer Pathos, alles voller Gefühl. Marta del Grandi räumt seit ihrer Debüt-EP vor fünf Jahren mit diesem Vorurteil auf. Ja, ihr konzentrierter Pop, verkantet an Synthies und komplexen Soundstrukturen, hat etwas Selbstvergessenes, aber gerade ihr 2023 gefeiertes Langspiel-Debüt „Selva“ trippelte so verkopft auf die Tanzfläche wie ein Nerd beim Abschlussball. Einnehmender gestaltet sich „Dream Life“: Obwohl die studierte Jazzmusikerin Bezug auf die surrealen Welten unseres Unterbewusstseins nimmt, ufern die zehn Songs weniger manieriert aus, sondern behalten in all ihrer Detailliertheit die Klarheit.
Del Grandi breitet gesellschaftliche und private Themen auf unebenen Klangteppichen aus, die anspruchsvolle Muster ergeben, auf denen sich auch unbeschwerter Pop entfalten darf. Der Titeltrack und das experimentelle „Antarctica“ mit seiner anspruchsvollen Melodik machen es vor. Blechbläser sorgen für lichte Ausreißer, wenn der Sound, wie im Instrumental „Gold Mine“, zu industriell wird, und das finale „Oh Father“ zeigt sich gar hymnenhaft.
Musik


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