„Canê“ von Ebow: Die Gegensätze, die ihr Leben bestimmen
Auf „Canê“ von Ebow geht es um ihre kurdischen Wurzeln, den Berliner Alltag und ihren Stolz auf die eigene Queerness.

Schon für das zweiminütige Outro von „Prada Bag“ lohnt es sich, in Ebows viertes Album „Canê“ reinzuhören. In der Spoken-Word-Passage erklärt die in Berlin wohnende Rapperin ein für allemal die so oft verteufelte Faszination mit Geld und Luxus, die den HipHop bis heute bestimmt: „Ich gönne mir das, was keiner mir in diesem Land je gönnen würde.“ Noch Fragen?
In zehn ziemlich kurzen, zumeist von Wegbegleiter Walter P produzierten Tracks reflektiert Ebow auf „Canê“ die Gegensätze, die ihr Leben bestimmen: ihre kurdischen Wurzeln („Canê“ kann „Liebling“ oder „Seele“ bedeuten) und ihren Berliner Alltag, ihren Stolz auf die eigene Queerness („La petite mort“) und romantische Selbstzweifel („Shy“), ihre Liebe zum Flex (der feministische Straßenbanger „Araba“) und ihre politische Message („Giesing81“). Der Closer und Titeltrack fasst dann alles in einer langen Folge von Balanceakten zusammen: „Zwischen Therapie und neuen Katastrophen/Zwischen überall daheim und nirgends zu wohnen/Zwischen Existenzängsten und die Existenz vermarkten/Zwischen wissen, was man fühlt, und es trotzdem nicht sagen.“ Auf „Canê“ sagt Ebow es aber – zum Glück.
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