- Review
Ein echter Songwriter: This is Lorelei im Interview
Das neue Album von Nate Amos alias This Is Lorelei ist das bisher simpelste – und hat genau deshalb am meisten Mühen gekostet.

Nate, du hast die meisten Songs auf „The Singer in my Band“ unterwegs auf Tour geschrieben. Machst du das öfters?
Nate Amos: Es ist eher etwas Neues für mich, weil ja auch dieses intensive Touren neu für mich ist. Das hier ist das erste Album von This Is Lorelei, bei dessen Entstehung ich nicht einfach sechs Monate zu Hause rumgesessen habe. Es ist was ganz anderes, wenn du nicht deine vertraute Umgebung um dich hast, sondern in einem Van sitzt und nach draußen starrst.
Inwiefern hat das den Sound des Albums beeinflusst?
Amos: Ich würde sagen, es ist von einer beobachtenden Haltung geprägt. Ich bin normalerweise niemand, der viel redet oder die Entscheidungen trifft, ich höre und sehe lieber zu. Das hat sich sicherlich niedergeschlagen. Eigentlich schließe ich mich am liebsten ein, um Musik zu schreiben, und komme erst raus, wenn sie fertig ist. Jeden Tag woanders zu sein, wo du noch nie vorher warst, ist so ziemlich das Gegenteil davon.
Aber aufgenommen hast du die Songs am Ende trotzdem zu Hause?
Amos: Das Aufnehmen und Mixen mache ich am liebsten so schnell wie möglich, wenn die Lieder erst mal geschrieben sind. Es ist leicht, in einen Perfektionismus zu rutschen, vor allem, wenn du wie ich zu Hause arbeitest. Also versuche ich immer, nur das Nötigste mit der Musik zu machen und sie nicht zu zerdenken.
Dieses Album setzt auf minimalistischen Bluegrass und ist schnörkelloser als alles, was du bisher gemacht hast – ob als This Is Lorelei oder mit deiner Band Water From Your Eyes.
Amos: In letzter Zeit habe ich erkannt, dass es bei Water From Your Eyes darum geht, ein Puzzle zu schaffen, das erst mal gelöst werden muss – obwohl es trotzdem Popmusik bleibt. Bei Lorelei gibt es keine Grenze zu überschreiten, das Publikum soll den Song sofort verstehen können. Um das zu erreichen, musst du mit herkömmlicheren Mitteln arbeiten. Je länger ich an diesem Projekt arbeite, desto wichtiger wird es mir, die simpelste Musik zu machen, die mir möglich ist. Das ist tatsächlich viel schwieriger, als herumzuexperimentieren. Mir geht es also darum, mich herauszufordern und ein besserer Songwriter zu werden.
Zuletzt sind viele deiner Lieder von prominenten Künstler:innen gecovert worden, darunter Jeff Tweedy, MJ Lenderman und Waxahatchee. Water From Your Eyes werden eher selten gecovert …
Amos: Für mich gibt es zwei grundsätzliche Arten, Songs zu schreiben: Es gibt die Art, die für sich stehen kann. Und dann gibt es die, bei denen deine Persönlichkeit, deine Performance ein zentraler Bestandteil sind, die sozusagen nicht mehr dieselben sind, wenn jemand anders sie interpretiert. Für mich lassen sich This Is Lorelei und Water From Your Eyes grob diesen beiden Kategorien zuordnen. Das war nicht immer so, aber in den letzten vier, fünf Jahren ist Lorelei für mich zu einem echten Songwriting-Projekt geworden. Je älter ich werde, desto mehr mag ich die Idee, dass meine Songs unabhängig von mir sind.
Musik

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