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How to: Erwachsenwerden – Schwedische Coming-of-Age-Serie bei Arte

Mathilda (Carla Sehn) und Johannes (Simon Reithner) sitzen sekttrinkend auf der Couch
Mathilda (Carla Sehn) und Johannes (Simon Reithner) kurz vor ihrer Verlobung (Foto: Johan Paulin)

Schwedische Coming-of-Age-Serie „Endlich Erwachsen“ erzählt von den Herausforderungen des Erwachsenseins und von verschluckten Verlobungsringen. Jetzt in der Arte-Mediathek.

„Ich werde glücklich sein“: Das nimmt sich Mathilda (sehr ausdrucksstark gespielt von Carla Sehn) fest vor, als sie endlich den heißbegehrten Job in einer Anwaltskanzlei bekommt. Doch das Glück lässt auf sich warten. Obwohl Mathildas Freund Johannes (Simon Reithner) ihr zudem nach sieben Jahren Beziehung endlich einen Heiratsantrag macht. Die schwedische Serie „Endlich Erwachsen“ (jetzt in der Arte-Mediathek) nimmt ihr Publikum mit in die Gedankenwelt einer jungen Frau, die sich bemüht, mit dem, was sie hat und was sie immer wollte, glücklich zu werden, daran aber wegen ihrer Unsicherheiten und Zweifel immer wieder scheitert.

„Das Gefühl, nur erwachsen zu spielen“

Als Johannes mit ihr am Frühstückstisch ein Gespräch über Politik anfangen will, fällt Mathilda partout der Name des Energieministers nicht ein. Keine große Sache eigentlich, aber müsste ein erwachsener Mensch, fragt sich Mathilda, das nicht wissen? Sie fühlt sich überfordert: „Kennst du das, wenn man das Gefühl hat, nur erwachsen zu spielen?“ Johannes weiß auf diese Frage keine Antwort. Natürlich nicht, denn im Gegensatz zu ihr, findet Mathilda, ist er ziemlich „erwachsen“. Johannes besucht Vorträge über Wein und legt einen gemeinsamen Kalender für die beiden an, dem Mathilda alle seine Aktivitäten entnehmen soll.

Der ständige Verweis auf diesen Kalender wird zum Sinnbild dessen, was in Mathildas Beziehung schiefläuft. Denn Johannes verlässt sich ein bisschen zu sehr darauf, dass sie in diesen Kalender auch hineinschaut, weil, so meint er: es steht ja im Kalender. Also wozu noch Bescheid sagen, dass er heute Abend später kommt? Gerade diese Kalendermomente zeichnen das Bild einer Beziehung, in der mit der Kommunikation etwas gewaltig schief läuft.

Der Verlobungsring, den Johannes gekauft hat, ist für Mathildas Finger viel zu eng. Er bleibt stecken. Als sie versucht, ihn mit den Zähnen abzuziehen, verschluckt sie den Ring und verbringt die ganze erste Folge mit dem Versuch, ihn wieder herauszubekommen. Johannes sagt sie kein Wort davon. So beschädigt ist das Vertrauensverhältnis der beiden.

Mathilda will mehr in ihrem Leben, eigentlich sogar mehr als Johannes, wie sie langsam beginnt, sich einzugestehen. Den überaus peinlich geratenen Heiratsantrag macht er ausgerechnet in einem Moment, in dem sie sich in der Squash-Halle nach anderen Männern umschaut. Wirkliches Interesse zeigt sie zunehmend an Nathan (David Dencik), einem intellektuellen Hottie und Kollegen. Auch scheint er der einzige Mensch außer ihr zu sein, der nicht weiß, wer der Energieminister ist.

„Verdammt, ich muss präsenter sein. Wir haben gerade Sex“

Das Ensemble der Serie wird ergänzt durch Mathildas Jugendfreund Emil, der sich ausgerechnet jetzt scheiden lässt, aber zu seiner zukünftigen Ex-Frau Yolanda trotzdem noch ein besseres Verhältnis zu haben scheint, als Mathilda zu ihrem Frischverlobten. Dann ist da ihre Schwester Martha, deren Sohn gerade sein erstes Engagement als Balletttänzer an der Oper bekommen hat. Und natürlich Mathildas Mutter Nora, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, deren Erziehung, so wird schon früh angedeutet, an Mathildas Unsicherheiten nicht ganz unschuldig zu sein scheint.

In entscheidenden Momenten werden Mathildas Gedanken als Voice-Over über die Szene gelegt. Im Bewerbungsgespräch kontrastieren ihre Gedanken ihr höfliches Auftreten und legen ihre Selbstzweifel mit dem Hang zum Overthinking für die Zuschauenden offen. Diese Erzähltechnik führt auch zu sehr absurd-komischen Szenen. Etwa wenn Mathilda Sex mit ihrem Verlobten hat, und dabei gedanklich ihr ganzes Leben hinterfragt, bis sie sich selbst ermahnt: „Verdammt, ich muss präsenter sein. Wir haben gerade Sex.“

Die Serie erschien in Scheden bereits im Jahr 2022 und ist ab dem 7. August in der Arte-Mediathek abrufbar. Allerdings nur im schwedischen Originalton mit deutschen Untertiteln.

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