„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ von Nefeli Kavouras
In „Gelb, auch ein schöner Gedanke“ erzählt Nefeli Kavouras mit unverstellter, gradliniger Sprache von einer Mutter-Tochter-Beziehung – und vom Sterben.
„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ von Nefeli Kavouras ist unsere Buchempfehlung der Woche.
„Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt, dass er zu früh geht“, singen die Puhdys. Aber auch: „Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt, es ist Zeit.“ Wie lange Georg, um den sich das Debüt „Gelb, auch ein schöner Gedanke“ von Nefeli Kavouras dreht, denn nun eigentlich gelebt hat, bis er zu sterben begann – dazu schweigt die Autorin. Stattdessen erzählt sie die Geschichte von Ruth und Lea: Während erstere Georg selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer 15-jährigen Tochter Lea entfremdet, möchte letzere endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat …
Beim letztjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettlesen präsentierte Kavouras bereits einige zum Kurztext „Zentaur“ verdichtete Passagen ihres Romans und erntete dafür nahezu universellen Beifall. Die „in vielen Facetten durchgespielte Experimentalanordnung“ wurde gelobt, Mithu Sanyal war „dankbar“ für den Text, und Laura de Weck fand ihn „mindblowing“; für den Juryvorstizenden Klaus Kastberger war es gar einer der besten Texte über das Sterben der letzten Jahre. Dennoch ging Kavouras, die als Literaturenthusiastin und -vermittlerin seit Jahren das literarische Leben Hamburgs prägt, am Ende in allen Preiskategorien leer aus.
Warum nur hat Nefeli Kavouras in Klagenfurt keinen Preis bekommen?
Das muss an der ungewöhnlich starken Konkurrenz gelegen haben; traditionell ist die Klagenfurter Jury nämlich Texten besonders zugetan, die das ganz Große im Kleinen behandeln – ganz wie „Gelb, auch ein schöner Gedanke“ es tut. Mit figurenorientierter, gradliniger, oft auch lakonischer Stimme nähert sich Kavouras den zwei wohl universellsten Fragen des Sterbeprozesses: Was vom Menschen bleibt, wenn er geht – und was zwischen den Menschen geht, wenn einer bleibt. Wenn einer sich weigert, sich stattdessen zur Ruhe legt auf Messers Schneide und das Drumherum zum Umgang nötigt. Es ist kein lautes, sondern ein funktionales Buch. Simpel. Und mitten ins Herz.
Hat es Nefeli Kavouras mit „Gelb, auch ein schöner Gedanke“ auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft?