Keine Lady mehr: Haylie Davis im Interview
Mit ihrem neuen Album legt die 26-jährige Sängerin Haylie Davis nicht nur ihren Künstlernamen, sondern auch den Cowboyhut ab.
Haylie, als Lady Apple Tree warst du musikalisch überwiegend im Country zu Hause. Das Genre begleitet dich, seit du ein Kind warst und mit deiner Mutter Country-Radio gehört hast. Hat sie dir die Liebe dazu vererbt?
Haylie Davis: Ich glaube schon. Meine Mutter hat vor der Schwangerschaft viel HipHop und Rap gehört. Sie meinte mal zu mir: Ich habe eigentlich erst angefangen, Country zu hören, als ich mit dir schwanger wurde. Vielleicht hat es da angefangen. (lacht) Aber ich glaube, mich hat auch meine Heimatstadt Healdsburg sehr geprägt. Dort lief überall Country-Musik.
Mit deinem neuen Album „Wandering Star“ machst du nun Musik unter deinem echten Namen: Haylie Davis. Warum dieser Wechsel?
Davis: Der Name Lady Apple Tree entstand eher so aus Spaß, als ein lustiger Spitzname. Er hat etwas für sich, und man kann ihn sich leicht merken. Trotzdem habe ich mich jetzt dafür entschieden, meinen eigenen Namen zu verwenden. Einfach, weil es sich für mich irgendwie authentischer anfühlt. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass Lady Apple Tree vielleicht ein bisschen zu sehr auf ein bestimmtes Genre festgelegt ist. Der Name klingt nach Folk. Mit Haylie Davis kann ich mir noch offenhalten, inwiefern ich in Zukunft mit verschiedenen Sounds und Genres experimentieren werde.
Das ist auch auf deinem neuen Album zu hören, besonders im Song „Wandering Star“. Es entsteht das Gefühl, dass du die Essenz der 70er-Jahre aufnimmst und dann deinen eigenen Esprit dazugibst. Was macht die Musik aus dieser Zeit für dich besonders?
Davis: Ich glaube, sie berührt mich am meisten. Ich höre auch viel anderes, aber als ich an diesem Album geschrieben habe, war es die Musik, die mich am meisten inspiriert hat. Insbesondere Joni Mitchell. Ich habe sie damals fast ununterbrochen gehört. Ich weiß gar nicht genau, warum, aber es hat mich in der damaligen Lebensphase einfach angesprochen. Außerdem konzentrieren sich die Künstler in dieser Ära sehr auf klassisches Songwriting. Das gefällt mir. Ich liebe es, Songs zusammenzubasteln.
Apropos Songwriting: In deinem Song „Golden Age“ singst du „Feed the rich, eat the poor“. Es klingt durch, dass das goldene Zeitalter dir Angst bereitet. Woraus besteht diese Angst genau?
Davis: Nun, diese Zeile ist etwas frech, denn eigentlich heißt es ja: „Eat the rich, feed the poor“. Ich habe sie so geschrieben, weil ich das Gefühl habe, dass heutzutage das die Priorität ist, zumindest in Amerika: Wir mästen die Reichen und beuten die Armen aus. Das macht mir Angst. Ich glaube, viele Menschen hier spüren, dass wir eine harte Zeit durchleben. Die Regierung gerät außer Kontrolle und hat nicht unbedingt unser Bestes im Sinn. Auch weltweit habe ich das Gefühl, dass es momentan eine ziemliche Anspannung gibt. Ich glaube, die Zukunft ist sehr ungewiss.