„Hitzetage“ von Oisín McKenna
Der Debütroman „Hitzetage“ des jungen irischen Autors Oisín McKenna spielt an einem Sommerwochenende des Jahres 2019 in London – und ihm gelingt es, das Lebensgefühl der Gen Z abzubilden.
Es hat ein paar Jahre gedauert, doch plötzlich sind sie da, die jungen irischen Autor:innen, die nach dem großen Erfolg von Sally Rooney mit spektakulären Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen: Naoise Dolan, Seán Hewitt – und jetzt auch Oisín McKenna. Sein queerer Debütroman spielt an einem einzigen Sommerwochenende des Jahres 2019 in London. Der Klimakollaps ist allgegenwärtig, denn es ist unerträglich heiß, zudem hat sich ein Wal verirrt und steckt in der Themse fest. McKenna begleitet eine Freundesgruppe durch diese Tage und Nächte, sie alle sind Ende 20, und auch wenn der ständige Wechsel der Erzählperspektive anfangs ein bisschen verwirrend und auch anstrengend ist, zahlt er sich am Ende aus: Trotz ihres Haderns und aller gescheiterten Kommunikationsversuche kommt man als Leser:in wirklich jeder Figuren extrem nah.
Da ist Maggie, die sich in der Londoner Kunstszene wohlfühlt, nun aber von ihrem Langzeitfreund Ed schwanger ist – und das bedeutet, dass sie zurück in ihr Heimatkaff ziehen muss. Denn Ed erreicht als Fahrradkurier kaum das Existenzminimum. Zudem versucht er, seine Bisexualität nicht nur vor Maggie, sondern auch vor sich selbst zu verheimlichen. Maggies bester Freund Phil ist dagegen seit vielen Jahren geoutet, nur ist er ausgerechnet in seinen Mitbewohner Keith verliebt, der wiederum in einer offenen Beziehung mit Louis lebt. Auch von der Elterngeneration gelingen McKenna extrem bewegende Psychogramme, etwa von Phils Mutter Rosaleen, die einst aus dem konservativen Irland in den Londoner Vorort Basildon geflüchtet ist und in der Romangegenwart damit ringt, den Söhnen von ihrer Krebsdiagnose zu erzählen. Sterben wird am Ende von „Hitzetage“ aber nur der Wal – und auch der wird dank einer Verschwörungstheorie irgendwie überleben: Die Meeresbiologin, die so verzweifelt um seine Rettung gekämpft und ständig in den Socials zu sehen war, das ist doch Lady Di, die in Wirklichkeit gar nicht gestorben ist, oder?
Mit „Hitzetage“ hat es Oisín McKenna auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft.