„Im ersten Licht“ von Norbert Gstrein
Norbert Gstrein streift mit „Im ersten Licht“ die großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts nur peripher – und dringt doch in deren Zentrum vor.
Im Zentrum des zutiefst menschlichen Romans „Im ersten Licht“ von Norbert Gstrein stehen existenzielle Fragen: Wie schuldig wird man, ohne Soldat zu sein? War nicht ein Deserteur, der mit dem Tod bestraft wurde, in Wirklichkeit ein Held?
Adrian Reiter, 1901 geboren und dank eines absichtlichen Axthiebs seines Vaters kriegsuntauglich, verkehrt Anfang der 1920er-Jahre als Kellner im Salzburger Land mit schwer gezeichneten Weltkriegsveteranen, von denen viele Suizid begehen. Später, als Geschichtslehrer im Nationalsozialismus, lernt er einen Schüler kennen, der mit Begeisterung in den Zweiten Weltkrieg zieht und höchstwahrscheinlich an Kriegsverbrechen beteiligt ist. Im dritten Teil des Romans schließlich freundet sich Reiter im Urlaub mit einer Engländerin an, die noch immer um ihren im Ersten Weltkrieg wegen Fahnenflucht erschossenen Bruder trauert.
Norbert Gstrein streift mit seinem Romanhelden die großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts nur peripher – und dringt doch in deren Zentrum vor. Er bringt sogar die Biografie des Kriegsverbrechers und späteren Österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim unter und wird damit durch die Hintertür sehr politisch. Im Zentrum des zutiefst menschlichen Romans aber stehen existenzielle Fragen: Wie schuldig wird man, ohne Soldat zu sein? War nicht ein Deserteur, der mit dem Tod bestraft wurde, in Wirklichkeit ein Held?
Hat es Norbert Gstrein mit „Im ersten Licht“ auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft?