Zum Inhalt springen
Film

Jane Schoenbrun über Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Jane Schoenbruns dritter Film ist ein wilder Mix aus Slasher-Persiflage, Meta-Comedy und queerer Liebesgeschichte. Wie schafft man diese Balance?

Teenage Sex and Death at Camp Miasma_Still_6_©MUBI
(Foto: MUBI)

Jane, dein neuer Film macht eine Menge Spaß. Hat der Dreh auch so viel Spaß gemacht?

Jane Schoenbrun: Spaß war die Regel! Meine ersten beiden Filme sind während der frühen Stadien meiner Gender-Transition entstanden, und es geht in ihnen viel um die weniger angenehmen Aspekte daran: sein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen und den Mut zu finden, dieses Wagnis einzugehen. Auch in diesem Film steckt viel Schmerz, aber er ist unter dem Eindruck des Gefühls entstanden, dass das Wagnis sich gelohnt hat. Diese Sache, die mich ein Leben lang von mir selbst, meinem Körper und meiner Sexualität entfremdet hat, hat zu heilen begonnen. Das Wort „Teenage“ steckt im Titel, weil ich jetzt in meinen 30ern Erfahrungen machen konnte, die die meisten schon als Teens gemacht haben.

Die letzten fünf Jahre waren mit Abstand die glücklichsten meines Lebens. Vor allem nach einem Film wie „I saw the TV Glow“ war ich es mir selbst schuldig, queere Freude und trans Freude auf die Leinwand zu bringen – wenn auch nicht auf unkomplizierte Art. Es geht sehr viel ums Spielen in diesem Film, und wenn ich beim Machen keinen Spaß gehabt hätte, wäre es kein so guter Film geworden. Ich bin zwar Formalist:in, und wir haben alles sehr genau geplant, aber zugleich haben wir viel Raum für Improvisation, für Witze gelassen.

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist eine Liebeserklärung an den Slasherfilm – kritisiert aber zugleich die misogynen und transphoben Elemente des Genres. War es schwer, diese Balance zu finden?

Schoenbrun: Tatsächlich kam das wie von selbst, weil sich darin meine eigene Beziehung zum Slasherfilm spiegelt. Ich bin als Kind der Videothek aufgewachsen, habe Nachmittage und Wochenenden in den Gängen verbracht. Damals gab es kein Wikipedia, du konntest nur raten, was sich auf diesen Kassetten versteckt. Und nichts hat mich mehr fasziniert als die Horror-Abteilung – wahrscheinlich, weil sie verboten war. Es war aufregend, diese Filme zu schauen und zu sehen, was tabu ist. Das Genre Slasherfilm ist so eindeutig libidinös, und zugleich so stark ritualisiert: Wir wissen nicht nur, dass alle Kids in diesem Sommercamp sterben werden; wenn wir genug Filme geschaut haben, kennen wir auch die Reihenfolge, in der sie sterben, wessen Tod am brutalsten sein wird, wessen Brüste wir sehen werden. Aber trotzdem schauen wir immer wieder hin.

Ich glaube, im Kern handeln diese Filme davon, wonach es uns verlangt – und von unseren Ängsten in Bezug auf dieses Verlangen. Es geht um den Blick des Voyeurs, aber auch um Scham und Selbsthass, um Angst vor dem weiblichen Körper und Brüchen in den Gender-Konventionen. Ich liebe das alles, aber meine Beziehung dazu ist auch kompliziert. Denn wenn du als trans Kind aufgewachsen bist, ohne es zu realisieren, dann liegt das vielleicht daran, dass dir beigebracht wurde, dass trans Menschen Monster sind, wie Buffalo Bill in „Das Schweigen der Lämmer“ oder Norman Bates in „Psycho“.

Zugleich spricht der Film universelle Probleme an, was etwa den Umgang mit der eigenen Sexualität angeht. Kris, die von Hannah Einbinder gespielte Hauptfigur, ist eine Cis-Frau, die ebenfalls ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper hat.

Schoenbrun: Keiner meiner Filme ist exklusiv auf die Trans-Thematik beschränkt. In „Teenage Sex and Death“ geht es darum, die Beziehung zum eigenen Verlangen zu überdenken, gerade was die Vermischung von Fiktion und Realität angeht. Natürlich schaue ich auf dieses Thema durch die Linse meiner Transition, aber das ist nicht die einzige Perspektive. Tatsächlich bin ich vielleicht am stolzesten, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Filme den Prozess der Transition für andere Menschen weniger fremdartig erscheinen lassen: Es ist nur eine bestimmte Ausprägung von Erfahrungen, die wir alle auf die eine oder andere Weise kennen. Es hat mich echt bewegt, zu sehen, wie universell dieser Film ankommt, besonders bei queeren Menschen und Frauen. Sie leben alle in einer Kultur, in der ihr Verlangen nicht im Vordergrund steht.

Der Film enthält auch eine beißende Satire über Hollywood: Kris hat sich mit Indie-Filmen einen Namen gemacht, soll jetzt aber das „Camp Miasma“-Franchise wiederbeleben. Dabei gerät sie mit den starren Vorstellungen des Studios in Konflikt. Inwiefern ist das von deinen eigenen Erfahrungen inspiriert?

Schoenbrun: Sehr! (lacht) Es ist seltsam, in den USA Arthouse-Filme machen zu wollen. Wenn du dann auch noch trans bist und mit Kapitalismus und den Studio-System viel Negatives verbindest, ist es nur natürlich, dass du eine Spannung fühlst, wenn du Mainstream-Filme drehst. Kunst und Kommerz widersprechen sich, das gilt schon seit Jahrhunderten. Trotzdem musst du mitspielen, und ich war in den letzten Jahren in zahllosen Zoom-Meetings, um zu versuchen, meine Filme finanziert zu bekommen. Das ist eine total schräge Erfahrung. Und es schlägt sich natürlich in den Filmen nieder – vor allem einem Film wie diesem, in dem es um queere Befreiung geht, denn die ist innerhalb dieser Kultur nur bis zu einem gewissen Grad möglich.

kulturnews.letterDein Schlüssel zur Szene

Jetzt Zugang sichern

Exklusive Vorteile, Tickets, Events, News und Gewinnaktionen

Film

Sehenswert

kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.