Jigitz beweist mit 50 Ballerinas: Electro kann auch zart sein
Seit Fred again.. hat Techno wieder mehr Gefühl. Jigitz reiht sich in diese Welle des heartfelt Elektro ein und kreiert mit seinem Debütalbum „50 Ballerinas“ ein Werk, das das Ballett als abstraktes Leitmotiv durch jeden Track zieht.

Der Produzent und DJ Jigitz aus Brooklyn hat sich in der Dance-Szene längst einen Namen gemacht, sein Debüt war jahrelang in Produktion. Erzählt wird eine Geschichte über Liebe, Verlust und das Wiederfinden zu sich selbst – verpackt in Beats, die genauso tief gehen wie die Texte. Neben Venbee und Charlotte Plank versammelt „50 Ballerinas“ eine ganze Riege internationaler Alternative-Pop- und Electronic-Künstler:innen: Rose Gray, Killen., Rebecca & Fiona, glaive und Lamb erzählen einzelne Storys auf den Tracks. Auch samplemäßig geht Jigitz aufs Ganze – schon der Opener „What I feel“ verarbeitet Mary J. Bliges „Be Without You“ einen der größten R&B-Songs der 2000er. Vom Verliebtsein handelt der Track, und mit dem House-Beat überträgt sich nicht nur der Sample-Text, sondern auch der Sound selbst genau dieses euphorisch-verträumte Gefühl. Kollaboration und Gemeinschaft sprühen aus jedem Feature und jedem Beat – wer das Album hört, fühlt sich augenblicklich weniger allein.
Track-Highlights
„Car Crash“ (feat. Charlotte Plank)
Hier geht es um eine Beziehung, die ins Toxische kippt, mit dem Autounfall als titelgebendes Bild dafür, dass die Beziehung nur noch funktioniert, wenn man schlechte Gefühle unterdrückt. Man verliert sich immer wieder im Griff der anderen Person, crasht aber trotzdem immer wieder in diese Liebe – im Wissen, dass es kein gutes Ende nimmt. Klingt dramatisch, wird von Jigitz’ Beat aber total mitsingbar und tanzbar umgesetzt.
„Seeing Stars“ (feat. venbee)
Die im Vorfeld veröffentlichte Leadsingle mit der Britin Venbee im Feature bringt den typisch euphorischen Sound mit Alternative-Pop-Touch und Elektro-Beats. Dazu ein fast kinoreifes Musikvideo: Bilder von auf Hausdächern tanzenden Ballerinas verweben sich mit Szenen verliebter Paare, die wie in einem Film durch Felder rennen. Eine Liebesgeschichte, die mit dem Wechsel von Schwarz-Weiß zu Sepia-gefilterten Sequenzen genau den richtigen nostalgischen Ton trifft.
„You’re my Nature“ (feat. Killen. und Rebecca & Fiona)
Ein absolutes Highlight des Albums. Wie ein Chor legen sich die beiden Stimmen um den sich immer wiederholenden Satz „you’re my nature“. Hypnotisch und eindringlich baut sich drumherum der Beat hyperpoppig auf, der Gesang umhüllt einen dabei immer wieder aufs Neue, so euphorisch, dass man sofort mitgerissen wird. Beim Drop dann Euphorie pur. Musikalisch spiegelt der Track einen Kontrast, der auch inhaltlich trägt. Das Gefühl, dass jemand wie für einen bestimmt ist und stetig umkreist, aber gleichzeitig das Bedürfnis wächst, loszulassen. Text und Sound spielen genau diesen Widerspruch zwischen Wiederholung und Intensität im ständigen Wechsel von Dynamik durch.
„50 Ballerinas“ (feat. okgiorgio und tabi)
Der Titeltrack startet ruhig mit einer Klaviermelodie und einer wahnsinnig smoothen, souligen R&B-Stimme. Nach und nach baut sich der Song mit Gitarre auf und mündet in einen langsamen, emotionalen Drop mit chorartigen Backings. Der Titel greift ein Bild auf, das sich durch Jigitz’ gesamtes Werk zieht: Die Ballerina steht für Disziplin, Resilienz und die unsichtbare Arbeit, die nötig ist, um etwas zu erschaffen, das am Ende mühelos wirkt. Ein Bild, das die Parallele zwischen professionellem Tanz und elektronischer Musikproduktion zieht. Zwischen der sichtbaren Performance und der unsichtbaren Arbeit dahinter.
Vom Geheimtipp zum Durchbruch
Mit „50 Ballerinas“ beweist Jigitz, dass Techno und Gefühl kein Widerspruch sind, sondern einander brauchen. Er schafft einen Sound, der Kollaboration und Verletzlichkeit zusammenbringt, der persönlich und tanzbar zugleich ist. Am Ende hat sein Album trotz Themen wie Liebe, Verletzlichkeit, Verlust und dem Zurückfinden zu sich selbst alles, was es braucht, um federleicht zu klingen. Genau darin liegt seine größte Stärke. Jigitz holt die euphorische Dance-Energie des deutschen Produzenten Bunt und die emotionale Direktheit eines Fred again.. zusammen und formt daraus etwas Eigenständiges, das trotzdem zutiefst kollektiv wirkt. Dass er ausgerechnet für Bunt schon Shows eröffnen durfte, ist dabei kein Zufall, sondern die logische Vorstufe zu diesem Debüt. Jetzt reiht sich Jigitz selbst in die Liga der Produzent:innen ein, die genau das schaffen. Vom Szene-Geheimtipp zum Album, das das Zeug hat, ihn auf die großen Dancefloors zu katapultieren.
Musik


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